Wenn ein Schrank neu ins Sortiment aufgenommen wird, müssen auch Balz Döbeli und seine Leute erst in die Montageanleitung schauen. Ist das Möbel aber zwei-, dreimal aufgebaut, ist das Papier Makulatur. Alle Bretter auf einen Haufen, und los gehts. «Manchmal erschrecken die Kunden, wenn sie uns zusehen», schmunzelt der Heimtransportleiter von drei Interio-Filialen. Acht bis zehn Möbel baut jeder von Döbelis Männern pro Tag zusammen. Normalkäufer kostet schon eines allein einen halben Tag Arbeit und jede Menge Schweiss. Bei Döbeli sitzt im Handumdrehen jede Schraube fest, per Akkuschrauber: «Ohne den würden unsere Gelenke das kaum mitmachen.»

Insbesondere dann, wenn jemand zwei linke Hände hat, kann es sich lohnen, etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen und sich die gekauften Möbel liefern und montieren zu lassen. Es ist bequemer und sicherer. Dreht man nämlich im Eifer eine Schraube zu weit ein, so dass das Bettbein am Ende gespalten statt fest am Rahmen montiert ist, kann man unter Umständen der Dumme sein.

Per Post: ein neues Bein fürs Bett

Ein gesetzlicher Anspruch auf Ersatz besteht nur, wenn der Kunde beweisen kann, dass das Stück von Anfang an schadhaft war. Immerhin sind die meisten Möbelhäuser hier kulant. So bekam eine Interio-Kundin kürzlich per Post anstandslos ein neues Bettbein zugeschickt.

Aber was ist, wenn man die Glasplatte eines Tisches auf dem Steinboden zerschellen lässt? Da dürfte das Verhandeln mit dem Möbelhaus schwieriger werden. Passiert dies hingegen dem Möbellieferanten, ist das sein Problem. Die Rechnung, wie viel einen das bequeme Zurücklehnen und Bedienenlassen im Einzelfall kostet, ist kompliziert. Einige Geschäfte verlangen für jedes gelieferte Möbelstück eine Pauschale, andere rechnen in Prozenten des Kaufpreises; bei den einen ist die Montage inklusive, bei den anderen kommt sie separat dazu. Ob sich das lohnt, muss also bei jedem Kauf gut überlegt werden. Sehr ärgerlich ist, wenn ein bestelltes Stück nicht in der versprochenen Frist geliefert wird.

Aufgepasst bei engen Treppenhäusern!

Besonders bei Extraanfertigungen kommt es oft vor, dass die Lieferzeiten nicht eingehalten werden. Wer also auf seinem alten, durchgesessenen Sofa ab sofort nicht mehr sitzen mag, kauft besser eines ab Lager und nimmt es gleich selber mit. Aber egal, ob man es holt oder bringen lässt: In beiden Fällen vorher abwägen, ob das gute Stück auch durchs Treppenhaus passt. «Wenn wir ein Sofa nicht um die Ecke bringen, müssen wir es aufstellen können», erklärt Lieferant Döbeli. Doch bei 2,40 Metern Raumhöhe und ebensolcher Sofabreite geht das nicht. «Solche Sofas nehmen wir oft wieder mit zurück», sagt er.

Die meisten der vom Beobachter angefragten Möbelgeschäfte erstatten in einem solchen Fall den Kaufpreis zurück. Die Lieferkosten jedoch muss der Kunde übernehmen. Und Achtung: Bei speziell für den Kunden angefertigten Möbelstücken, wie es gerade Sofas oft sind, gibt es überhaupt keinen Anspruch auf Rückgabe. Je nachdem bleibt dann nichts anderes übrig, als ein Zügelunternehmen mit einem Möbellift zu engagieren, damit das Stück zum Fenster hineingehievt werden kann – und beim nächsten Umzug wieder hinaus.

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