Ob man ein Zugticket kauft, sich neue Kleider leistet oder den alltäglichen Einkauf erledigt: Fast überall kann man die gängigen Karten benutzen. Ausser am Postschalter. Dort wird bloss die Postfinance-Karte oder Bargeld akzeptiert. «Wir behalten uns die Exklusivität des eigenen Zahlungsmittels im eigenen Netz vor», sagt Sprecher Bernhard Bürki unverblümt.

Kleines Kundenbedürfnis?

Das ärgert viele Kunden. Und auch den Ausserrhoder FDP-Nationalrat Andrea Caroni: «Die Post ist eine Teilmonopolistin. Die Bürgerinnen und Bürger sind gezwungen, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. Diese Stellung missbraucht die Post und schafft so Privilegien für die Postfinance.»

Doch der Bundesrat stützt die Praxis. «Würde die Post für Einzahlungen Debit- oder Kreditkarten akzeptieren, müsste sie den Banken respektive dem Kartenherausgeber fixe Gebühren pro Transaktion bezahlen. Einzahlungen am Schalter stellen jedoch bereits heute ein defizitäres Geschäft dar», heisst es in der Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss Caronis. Zudem sei nach Angaben der Post das Bedürfnis, Zahlkarten zu verwenden, klein.

«Mit der Antwort bin ich gar nicht zufrieden. Die Post will sich bloss zusätzliche Einkünfte zuschanzen», sagt Caroni.

Unterstützung erhält er von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). «Die Post sagt, ihre Kunden hätten nicht das Bedürfnis, mit gängigen Karten zu zahlen. Das können wir überhaupt nicht nachvollziehen», sagt André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft bei der SKS. «Wäre kein Bedürfnis vorhanden, würde diese Möglichkeit sonst kaum flächen­deckend angeboten.» Man werde den Eindruck nicht los, dass die Post ihr Monopol missbrauche, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Die Stiftung für Konsumentenschutz will den Druck erhöhen. «Wir werden einen Parlamentarier bitten, eine Motion oder eine parlamentarische Ini­tiative einzureichen», sagt André Bähler. Die Post soll per Gesetz verpflichtet werden, auch die gängigen Debit- und Kreditkarten zu akzeptieren.

Gesetz soll Abhilfe schaffen

Bei Caroni stösst die SKS damit auf offene Ohren. «Ich bin gern bereit, mit der SKS zusammenzusitzen. Vielleicht muss man wirklich die Gesetzesmaschinerie anwerfen, um die Bedürfnisse der Postkunden zu befriedigen.»