Rolf Burger aus Zurzach ärgert sich über die SBB. Er habe versucht, die Fahrkarten zu entwerten, doch der Automat habe nicht funktioniert. Aus Angst, die S-Bahn könnte den Hauptbahnhof Zürich ohne sie verlassen, sei er mit seiner Frau trotzdem eingestiegen. Burger ist schwer herzkrank und seit zehn Jahren IV-Bezüger. «Einen anderen Automaten suchen lag nicht drin. Ich bekomme trotz Herzschrittmacher rasch Atemnot.» In der S-Bahn füllte er die Billetts von Hand aus. Dies ist in Schnellzügen erlaubt, auf S-Bahn-Strecken nicht. Prompt tauchten zwei Kontrolleure auf. «Sie akzeptierten die Tickets nicht und nahmen uns regelrecht in die Mangel.»

Burger zückte den IV-Ausweis, verwies auf seine Herzkrankheit und den defekten Automaten. «Es nützte nichts. Sie wollten uns mit einem Zuschlag von 160 Franken büssen», sagt Burger. Den SBB bedeute Kulanz offenbar nicht mehr viel. Es gebe Härtefälle, räumt SBB-Sprecher Roland Binz ein. «Es ist schwierig, vorsätzliches Verhalten zu erkennen. Deshalb spielt es keine Rolle, weshalb jemand kein gültiges Billett hat.» Letztlich reduzierten die SBB Burgers Zuschlag auf 80 Franken.

Sie bearbeite viele solche Fälle, sagt Cornelia Füeg, Ombudsfrau des öffentlichen Verkehrs. «Die SBB handeln juristisch korrekt, greifen aber häufig auch bei unbescholtenen Bürgern hart durch.» Kleine Versehen würden oft gleich streng geahndet wie vorsätzliches Schwarzfahren. «Der Zorn bei vielen ehrlichen SBB-Kunden nimmt zu.»

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