Ein kleiner Kellerraum in einem Wohnblock. Gelbe Betonwände, zwei Computerplätze und ein Tisch mit vier Stühlen. «Mir begrüesse öich zur hütige Sändig», sagt Hanspeter Müller, Moderator, laut vor sich hin. «Si isch hüt echly speziell. Mir ghöre einersits en aktuelle Bytrag über ds Schiff Blüemlisalp u später Byträg us früechere Sändige.» Redaktorin Verena Karli nickt zustimmend.

Diese Szene stammt nicht aus der Zentrale eines Piratensenders von Dampfschiffliebhabern, sondern aus dem Radiostudio Silbergrau. Seit drei Jahren wird im Kellerraum in Schliern bei Köniz BE Radio gemacht - und zwar ausschliesslich von Menschen über 55.

Die Idee stammt vom Berner Museum für Kommunikation, das das Projekt auch heute noch unterstützt. Zurzeit hat der Verein Radio Silbergrau rund 30 Aktivmitglieder. Das Ziel sei, der älteren Generation eine Stimme zu geben, erklärt der 66-jährige Vereinspräsident Christian Rupp.

Ausgestrahlt wird Radio Silbergrau einmal im Monat für jeweils eine Stunde auf der Frequenz des Berner Lokalradios RaBe. Das Themenspektrum der Radiobeiträge reicht von Seniorensport über Kneipp-Kuren bis hin zu Glück im Alter.

«Jeder macht, was ihm gefällt»
Einmal im Monat treffen sich die Silbergrauen zur Redaktionssitzung, um Themen zu besprechen und die Arbeit zu verteilen. «Jeder macht, was ihm gefällt und worin er stark ist. Die einen moderieren, andere machen lieber Beiträge oder kümmern sich um die Technik», sagt Rupp.

Hanspeter Müller, 64, hat seine Moderation fertig getextet. Techniker Urs Gsteiger, 67, schliesst das Mikrofon an den Computer an. Jetzt geht es ans Aufnehmen. «Es ist schwierig, sich am Mikrofon natürlich zu geben», sagt Müller. Trotzdem moderiere er sehr gerne. «Auch wenn wir hier vielleicht nichts Weltbewegendes schaffen, erreichen wir eine Menge Leute mit unserer Sendung.» Wie viele es genau sind, weiss er nicht - es werden keine Hörerzahlen erhoben.

Wer bei Radio Silbergrau mitmacht, hat zuvor einen Radiokurs besucht. «Der ist bei uns obligatorisch», erklärt Müller. Im Kurs habe er einiges über Sprechtechniken gelernt. Auch journalistische Grundlagen, die Gestaltung eines Beitrags und Studiotechnik sind Teil der Ausbildung, die von erfahrenen Radiojournalisten geleitet wird. «Deswegen sind wir aber noch lange keine Profis», sagt Müller. Niemand habe den Anspruch, perfekte Beiträge zu liefern. Im Vordergrund stehe vor allem eines: der Spass an der Sache.

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