Tele2 fällt seit langem durch aggressive Verkaufspraktiken auf; immer wieder behaupten Vertreter fälschlicherweise, Tele2 arbeite mit Swisscom zusammen. Nützt auch dies nichts, fälschen sie schon mal die Unterschrift von unwilligen Kunden (siehe Artikel zum Thema «Tele2: Schamlose Tricks»). Neu ist der am 30. November in Reigoldswil BL angewendete Trick: «Der Vertreter behauptete, Tele2 arbeite mit der Gemeinde zusammen, darum werde Telefonieren für mich billiger», erzählt Gerda Kohler (Name geändert). Weil sie gleichzeitig am Kochen war, unterschrieb sie unter Zeitdruck einen Vertrag. Später wurde sie stutzig und erkundigte sich bei der Gemeindeverwaltung - doch dort wusste niemand etwas von einer vertraglichen Zusammenarbeit mit Tele2.

Als der Verkäufer ausgerechnet an der Haustür einer Gemeindeangestellten das gleiche Argument auftischte, flog der Schwindel definitiv auf. Sofort intervenierten die Behörden: «Wir ärgern uns sehr über diesen Missbrauch des Vertrauens unserer Einwohner und Einwohnerinnen», sagt Gemeindeverwalterin Karoline Sutter; per Einschreibebrief stellte sie Tele2 rechtliche Schritte in Aussicht, falls sich die Geschichte wiederholen sollte.

Es sei verboten, mit Falschinformationen Kunden zu gewinnen, reagiert Tele2-Chef Roman Schwarz. «Wir verurteilen solch betrügerische Mittel aufs Schärfste.» Tele2 hat die Kundenakquisition an die Firma Ranger Switzerland GmbH in Hünenberg ZG ausgelagert. Der fehlbare Ranger-Aussendienstmitarbeiter wurde verwarnt, ebenso sein Vorgesetzter, der ebenfalls in Reigoldswil auf Kundenfang war.

Der Vertrag mit Gerda Kohler wird nun storniert. Zudem müsse die Firma Ranger garantieren, dass solche Fälle nicht mehr passieren. Zweifel daran sind aber erlaubt, denn auf die Frage, ob das falsche Argument auch in anderen Gemeinden verwendet wurde, sagt Tele2-Chef Schwarz: «Bis jetzt noch nicht.»

Gegendarstellung

Ranger Switzerland GmbH ist nur eine unter verschiedenen Firmen, welche für Tele2 Kunden akquirieren. Ranger war nur von einem der erwähnten Vorfälle tangiert, demjenigen in der Gemeinde Reigoldswil, wo ein Kunde verstanden hatte, dass Tele2 und die Gemeinde Reigoldswil zusammenarbeiten würden. Für die anderen im Artikel erwähnten Verfehlungen von Tele2-Verkäufern kann Ranger nicht verantwortlich gemacht werden. In Bezug auf den Vorfall in der Gemeinde Reigoldswil halten wir fest, dass der Vorgesetzte unseres Aussendienstmitarbeiters nicht betroffen war und deshalb auch nicht verwarnt worden ist. Die Darstellung, dass der Vertrag mit Gerda Kohler nun storniert werde, trifft nicht zu. Richtig ist, dass der sogleich nach dem Hausbesuch von Ranger im Rahmen der Qualitätskontrolle durchgeführte Kontrollanruf ergab, dass die betroffene Person den unterzeichneten Vertragsantrag widerrufen wollte. Der Antrag wurde nie an Tele2 weitergeleitet, so dass es gar nicht zu einem Vertrags­abschluss kam.

Roelof Koopmans, Geschäftsführer Ranger Switzerland GmbH