Beobachter: Was stört Sie an den neuen Swiss-Tiefpreisen?
Walter Kunz: Die günstigen Preise stören mich nicht, die Swiss muss sich ja irgendwie im Markt behaupten. Ich ärgere mich aber über den komplexen Buchungsaufwand für die Reisebüros. Zudem sind die Angebote, die im Internet stehen, unübersichtlich und oft nicht mehr verfügbar, wenn man buchen will. Das ärgert die Kunden.

Beobachter: Dafür kommen die Kunden im Internet günstiger zu Swiss-Tickets als in den Reisebüros.
Kunz: Das stimmt, und genau das finden wir unfair.

Beobachter: Andere Billig-Airlines machen das doch auch so.
Kunz: Ja, aber die Swiss ist keine Billig-Airline, sie bietet ja nicht nur einzelne günstige Strecken an, sondern ein weltweites Netz. Und sie hat nicht nur eine Preisklasse, sondern First Class, Business- und Economy-Class. Und wer nicht nur einen Flug buchen will, sondern auch noch einen Mietwagen oder ein Hotel, geht gern ins Reisebüro und will dort dieselben billigen Flugpreise, wie sie in der Werbung angeboten werden. Das können wir allerdings nicht bieten, denn schliesslich muss unser Aufwand auch bezahlt werden.

Beobachter: Was muss sich ändern?
Kunz: Heute müssen wir für unsere Kunden die billigen Swiss-Tarife ebenfalls via Internet buchen. Dabei verdienen wir nichts, denn die Swiss gibt uns für diese Tickets keine Kommission – wir haben nur den Mehraufwand. Die Reisebüros fühlen sich verschaukelt von dieser arroganten Haltung, haben sie doch die Swiss seit ihrer Gründung kräftig unterstützt und seither aktiv bei der Kundschaft für ihre Flüge geworben.

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Beobachter: Einige Westschweizer Reisebüros empfehlen die Swiss aus diesen Gründen ihren Kunden nicht mehr, sondern verweisen auf andere Fluggesellschaften. Werden Sie diesem Beispiel folgen?
Kunz: Wir haben der Swiss unseren Forderungskatalog geschickt. Wenn sie nicht darauf eingeht, werden wir eine entsprechende Empfehlung abgeben. Unser Vorteil ist, dass wir in der besseren Situation sind, denn wir können ohne die Swiss leben, die Swiss aber nicht ohne uns. Ich bin zuversichtlich, dass die Verhandlungen erfolgreich sein werden.