Am Anfang der Geschichte ist ein Loch in der Kellerwand: etwa faustgross nur, und doch will keiner dafür die Verantwortung übernehmen. Auch Hausbesitzer Paul Gättelin aus Niederdorf BL hatte vor jenem starken Unwetter im letzten Sommer dem Loch keine Beachtung geschenkt.

Es war anno 1972, als das Kabelfernsehen und mit diesem das Loch kam. In Gättelins Keller bohrten Handwerker einen Kanal in die Mauer und verlegten darin ein Kabel, das den Nachbarn Fernsehbilder in die gute Stube brachte. Doch 35 Jahre später schiesst daraus plötzlich eine übelriechende Brühe in den Raum. Wasser und Dreck, vermischt mit Kuhdung. Wo sonst oberhalb des Hauses Kühe weiden, fliesst nach einem Unwetter ein Bach über die Wiese. «Es sah aus, als ob einer mit dem Schlauch wässrige Gülle in meinen ausgebauten Keller spülen würde», erinnert sich der 79-Jährige. Die Brühe überspült antike Holzschränke und setzt sich in Perserteppichen fest. Geschätzte Schadenssumme: über 50'000 Franken.

Von Pontius zu Pilatus

Die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung übernimmt einen Teil des vom Unwetter verursachten Schadens, doch beim Keller winkt der Schadeninspektor ab: Die Versicherung bezahle nicht, wenn Wasser durch Wände eindringt. Gättelin wendet sich an die Firma, die 1972 den Fernsehanschluss installiert hat. Der Geschäftsführer verweist ihn an den damaligen Auftraggeber, die Gemeinde.

Dort erklärt ihm der Verwalter, die Ortsantennenanlage sei vor drei Jahren für einen Franken an eine Tochtergesellschaft des Stromlieferanten Elektra Baselland (EBL) verkauft worden. Der Hauseigentümer klopft bei der neuen Kabelnetzbetreiberin, der EBL Telecom AG, an, wird aber an deren Versicherungsbroker verwiesen. «Unsere Haftpflichtversicherung regelt alle Vorfälle direkt mit den Geschädigten», erklärt Marco Born von der EBL Telecom. Es verstreichen Wochen, doch niemand will sich den Schaden ansehen. «Überall im Haus stank es bestialisch. Das hielt ich schliesslich nicht mehr aus.» Einen Monat nach dem Unwetter lässt der pensionierte Ingenieur einen Grossteil des stinkenden Mobiliars entsorgen.

Ein Loch als Eigentum

Es dauert knapp zwei Monate, bis endlich eine Delegation der Kabelnetzbetreiberin EBL und von deren Haftpflichtversicherung, der Mobiliar, zu Paul Gättelin pilgert. Doch die Versicherung erteilt ihm eine Absage: «Das Loch ist Eigentum von Herrn Gättelin.» Deshalb könne die Netzbetreiberin nicht haftbar gemacht werden. «Wir empfehlen, den Wasserschaden der Hausratversicherung anzumelden», schreibt die Mobiliar. Vielleicht hätte die Versicherung vorher noch ihre Kundenkartei überprüfen sollen, denn Gättelin hat seinen Hausrat tatsächlich versichert - seit Jahrzehnten bei derselben Versicherung: der Mobiliar.

Doch die erteilt ihm wiederum eine Absage. «Bei diesem Schadensereignis versickerte Regenwasser in der Erde und drang durch die undichte Leitungsführung ins Gebäude ein. Dafür existiert keine Deckung», erklärt Mediensprecher Kurt Messerli. Wäre hingegen eine Wasserleitung geborsten, hätte seine Hausratversicherung bezahlt.

Obwohl die Netzbetreiberin EBL Telecom Gättelin das Loch zuschreiben wollte, liess sie es inzwischen stopfen. So werden seine Nachbarn weiterhin mit bewegten Bildern versorgt, und die Kabelfirma kassiert dafür Gebühren. Gättelin selbst bleibt nur der Schaden - und ein neues Loch: in seinem Portemonnaie.

Anzeige
Quelle: Dominik Labhardt