Ob man im Intercity oder im Regionalzug reist, spielt fürs Portemonnaie keine Rolle. Ebenso wenig, ob man das Billett am Schalter oder am Automaten löst. Dieser Grundsatz galt bislang im Öffentlichen Verkehr in der Schweiz. Nun hat der Zürcher Verkehrsverbund ZVV eine Ausnahme gemacht: Wer im März ein Ticket mit der neuen Smartphone-App kaufte, erhielt Rabatt. Der Preisnachlass war umso grösser, je mehr Leute die entsprechende App herunterluden. Ende März lag er bei 29 Prozent.

Schön für die Smartphone-User, die dadurch kräftig Geld gespart haben. Ihre Tickets hätten zum regulären Tarif 66'000 Franken mehr gekostet, sagt ZVV-Mediensprecher Stefan Kaufmann.

Keine rechtliche Grundlage

Nur, die ZVV-Tarife müssen vom Verkehrsrat beschlossen und vom Zürcher Regierungsrat abgesegnet werden. Das entsprechende Papier regelt auch Tarif-Vergünstigungen bis ins letzte Detail – bis zur Frage, ob Angehörige von Angestellten ausländischer Bahngesellschaften hierzulande gratis fahren dürfen (Position 651.8.6.86; Antwort: auf dem Zürichsee zum halben Preis, auf dem Greifensee nicht). Von Rabatten je nach Vertriebskanal steht indes kein Wort. Der Smartphone-Rabatt hat deshalb keine rechtliche Grundlage.

Es handle sich gar nicht um einen «neuen Tarif», sondern lediglich um eine «zeitlich begrenzte Promotion», sagt ZVV-Sprecher Kaufmann. Deshalb habe der ZVV selber entscheiden können. Man habe aufzeigen wollen, wie einfach Tickets übers Handy gelöst werden könnten.

Mag sein, allerdings hat die Aktion das vom ZVV selbst gesetzte Ziel – die Leute zum Umsteigen auf den ÖV zu bewegen – wohl nicht erreicht: Im März wurden zwar doppelt so viele Tickets via App verkauft wie im Monat zuvor, doch ihr Anteil ist viel zu klein, als dass ein Effekt nachgewiesen werden könnte. An Automaten und Schaltern werden fast 100 Mal mehr Tickets verkauft. Ob die Gesamtzahl der verkauften Billette während der Testperiode überhaupt zugenommen hat, weiss der ZVV erst Ende April.