Der Fachhändler bietet ungefähr 50 Digitalkameras zur Ansicht, Online-Shops listen gar weit über 100 verschiedene Apparate auf: Die Vielfalt der Kameramodelle ist verwirrend. Hersteller, die sich mit Protzereien im Megapixel-Bereich und mit in vielen Fällen sinnlosen Extrafunktionen überbieten, tragen nicht zur Übersicht bei. Aber worauf kommt es bei einer Digitalkamera eigentlich an?

Auf Megapixel und Zusatzfunktionen jedenfalls nicht. Klar gibt es wichtige Funktionen wie den automatischen Weissabgleich, die Programmautomatik oder die Belichtungskorrektur. Diese sollten wie der Selbstauslöser, das Ein- und Ausschalten des Blitzes oder die Bildanzeige über handliche Knöpfe oder mit wenigen Klicks im Programmmenü bedient werden können. Genauso entscheidend für gute Fotos sind aber andere Komponenten der Kamera wie Objektiv, Sucher und Auslöser sowie das Handling.

Hier sind vor dem Kauf Vergleiche nötig. Ein Blick in die Anleitung und die Bitte an das Ladenpersonal, die Kameras ausprobieren und Probeprints machen zu dürfen, bleiben einem nicht erspart. Es lohnt sich. Denn eine Kamera, die gut in der Hand liegt und immer gute Bilder schiesst, hat man stets gerne dabei – und fotografiert damit.

Folgende Punkte, alphabetisch aufgelistet, gilt es zu beachten:

Akku: Wie viele Fotos schafft er?


Der Akku ist der Schwachpunkt jeder Kamera: Er ist zu schnell leer, manchmal schon nach 20 Aufnahmen. In der Betriebsanleitung steht, wie viele Fotos man mit und ohne Blitz/Monitor/Autofokus mit einer Akkuladung machen kann. Die Stromversorgung der Allzweck- kamera sollte auswechselbar und separat aufladbar sein. Praktisch ist es, wenn statt des Akkus auch konventionelle Batterien des Typs AA (Walkman) eingesetzt werden können, die man im Notfall an jedem Kiosk kaufen kann.

Auslöser: Schnelligkeit ist alles


Ein Ärgernis bei vielen Digitalkameras ist die Auslöseverzögerung. Zwischen dem Druck auf den Knopf und dem eigentlichen Klick vergehen ein paar Zehntel- oder gar ganze Sekunden – und damit die «magischen» Momente. Damit auch Schnappschüsse gelingen, muss die Aufnahme unmittelbar erfolgen, also höchstens eine Zehntelsekunde nach dem Drücken des Auslösers. Aufnahmebereitschaft sollte die Kamera spätestens fünf Sekunden nach dem Einschalten melden.

Blitz: Muss abgeschaltet werden können


Ein eingebauter Blitz erhellt nur die allernächste Umgebung, während der Hintergrund im Nichts versinkt. Fürs Aufhellen von Gesichtern im Gegenlicht oder in der Dämmerung reicht das, ansonsten stört er nur und saugt am Akku. Man muss den Blitz deshalb abschalten können. Ein Vorblitz zur Reduktion des Rote-Augen-Effekts ist zwar praktisch, aber ebenfalls ein Stromfresser.

Chip: Vier Megapixel sind genug


Der lichtempfindliche Sensor im Kamerainnern entspricht dem Film in der herkömmlichen Fotografie. Entgegen der landläufigen Meinung garantiert eine hohe Auflösung keine höhere Bildqualität. Diese deutet, wie früher das Filmformat, lediglich an, wie grosse Abzüge man von der Aufnahme anfertigen kann. Für Ausdrucke in Postkartengrösse reichen drei Millionen Bildpunkte, fürs A4-Format benötigt man höchstens vier Megapixel.

Digitalausgang: Entsprechung zum PC


Welchen Digitalausgang die Kamera anbietet, ist letztlich egal: Es gibt USB, USB 2.0 und Firewire. Der Ausgang muss nur eine Entsprechung am Computer oder Drucker haben. Praktisch ist auch ein analoger Videoausgang/SVHS-Ausgang für den Anschluss der Kamera an den Fernseher oder ans Videogerät/ DVD-Gerät.

Gehäuse: Handlich und nicht zu leicht


Eine Allzweckkamera muss robust sein und gut in der Hand liegen. Das heisst, der Auslöser, die Knöpfe fürs Zoomen und andere wichtige Funktionen müssen ohne Verrenkungen erreichbar sein. Kleine Kameras scheiden – ausser für Personen mit kleinen Händen – deshalb als Universalfotoapparate aus. Die Kamera sollte auch nicht zu leicht sein, denn je schwerer die Kamera, umso ruhiger kann man sie halten. Das Design ist Geschmacksache – und für gute Fotos unerheblich.

Objektiv: Die Lichtstärke zählt


Mit einem guten Objektiv wird das Aufnahmeobjekt scharf und farbtreu wiedergegeben. Wichtig ist die Lichtstärke, die mit der kleinsten Blendenstufe angegeben wird (1:2, 1:2.8, 1:3.6, 1:4 und weitere Blendenstufen). Je tiefer die minimale Blende, desto besser. Selbst bei schummrigem Licht sind so gelungene Bilder auch ohne Blitz möglich. Digitalkameras mit einer Lichtstärke über 1:3.6 sind als Allzweckkameras wenig geeignet. Ein Autofokus ist praktisch, doch sollte er schnell oder abschaltbar sein. Mit Naheinstellungen von wenigen Zentimetern gelingen Makroaufnahmen.

Speicher: 64-MB-Karte reicht


Empfehlenswert sind die Speicherkartentechniken CF, SD und xD-Picture, die schnell und günstig (40 bis 60 Rappen/MB) arbeiten (siehe auch Beobachter Nr. 2). Für den durchschnittlichen Alltagsfotografen reichen eine oder zwei 64-MB-Karten, auf denen je fünfzig bis mehrere hundert Aufnahmen gespeichert werden können (je nach Auflösung).

Sucher: Möglichst grosser Bildausschnitt


Es gibt seltene Situationen, in denen die Bildausschnittwahl über den Monitor die einzige Möglichkeit ist (im Gewühl, bei Nahaufnahmen). In allen anderen Fällen ist der optische Sucher vorzuziehen, denn er funktioniert im Hoch- und Querformat, bei Lichteinfall von hinten – und er braucht keinen Strom. Der Sucher sollte möglichst viel vom späteren Foto anzeigen. Testen kann man dies durch eine formatfüllende Aufnahme eines TV-Apparats: Wie viel Umgebung zeigt der Monitor beim Betrachten des Bildes?

Zoom: Stufenlose Verstellbarkeit


Ein Zoom gehört zur Allzweckkamera. Grosse Zoombereiche gehen aber zulasten der Objektivqualität, zudem gelingen verwacklungsfreie Bilder mit langen Linsen (>200 mm*) nur bei optimalen Lichtverhältnissen oder mit Stativ. Wichtiger ist die kürzeste Brennweite: 35 mm* sind ein Muss, eine unverzerrte Bildwiedergabe bei Brennweiten unter 30 mm* ist leider ein teurer Wunschtraum. Das Zoom muss stufenlos und optisch sein, also durchs Verschieben von Linsen erfolgen. Digitalzooms sind nur Notbehelfe, die auf Kosten der Bildqualität gehen.

*Brennweiten im Vergleich mit analogen Kleinbildfotoapparaten

Quelle: Nikon