Jahrelang forcierte Swisscom-Tochter Bluewin ihren Gratis-Mail-Dienst – kein Wunder, haben heute fast eine Million Schweizerinnen und Schweizer einen elektronischen Briefkasten mit Bluewin- oder Bluemail-Adresse.

Seit 1. März ist fertig lustig. Auf dieses Datum setzte Bluewin eine «neue Abonnementsstruktur» in Kraft. Aus Kundensicht am wichtigsten: Die Nutzung von Mailadressen ist nur noch für jene gratis, die sich auch via Swisscom ins Internet einwählen. Wer beispielsweise bei der Konkurrentin Sunrise ein ADSL-Abo hat oder via Cablecom-Leitung surft, muss inskünftig vier Franken pro Monat für die Benutzung der Bluewin-Mailadresse bezahlen.

Eine Schönfärberei also, wenn Bluewin in der Mail an alle Kunden keck behauptet: «Die Neuerungen haben keine Preiserhöhungen zur Folge.» Für ein Viertel der Kundschaft, also rund eine Viertelmillion Schweizer, trifft das Gegenteil zu.

Sie stehen vor der Wahl: entweder in den sauren Apfel der Gebührenpflicht beissen – oder zu einem anderen Mailanbieter wechseln und die ganze Bekanntschaft über eine neue Mailadresse informieren müssen. Verärgert darüber ist beispielsweise Lothar Steinke aus Luzern, der ein Breitbandabo bei einer Swisscom-Konkurrentin hat und jetzt mehrere Bluewin-Mailadressen aufgeben muss: «Das Ganze ist hochautomatisiert und zudem werbefinanziert – ich kann mir kaum vorstellen, dass das Bereitstellen einer Mailadresse Kosten von fast 50 Franken im Jahr verursacht.»

Es gibt indes ein Schlupfloch: Laut den neuen Bluewin-Bedingungen entfällt die Vier-Franken-Monatsgebühr, wenn man sich «mindestens einmal pro 180 Tage» via Swisscom einwählt. Wer die Mühe nicht scheut, kann also normalerweise über einen billigeren Anbieter surfen und sich bloss zweimal pro Jahr an die Leitung der Ex-Monopolistin hängen.

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