Vor einer Generation war Ökologie noch ziemlich suspekt: Die Mehrheit betrachtete sie als Anliegen von Sektierern in Selbstgestricktem, die dem Rest der Menschheit ein schlechtes Gewissen einreden wollten. Heute inszenieren sich selbst Erdölkonzerne als Umweltschützer - ein bemerkenswerter Erfolg der grünen Bewegung. Auch sonst hat sich einiges geändert: Der moderne, aufgeschlossene Konsument hat nichts mehr dagegen, beim Kauf etwas für die Umwelt zu tun - solange er dabei auf nichts verzichten muss. Fürs gute Gewissen zahlt man gern ein wenig mehr. Marketingstrategen sehen in dieser Haltung einen Megatrend, auf den sich Industrie und Werbung bereits eingestellt haben. Seine Auswirkungen und Absurditäten beschreiben wir in unserer Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Grüne Welle: Nachhaltig sündigen»).

Zweifellos sind viele kleine Schritte zu einer umweltverträglicheren Lebensweise besser als gar keine. Bloss sollte man nicht zu viel von ihnen erwarten. Das Klima wird nicht gerettet, indem man für regelmässige Kurztrips per Billigflieger Zertifikate zur CO2-Kompensation erwirbt. Und auch nicht durch Hybridautos, mit denen man vom Minergiehaus im Grünen zum Arbeitsplatz in der Stadt pendelt. So begrenzt man den Schaden - mehr nicht.

Der Volksmund meint: Grün ist die Hoffnung. Mag sein. Man könnte auch sagen: Grün ist der Selbstbetrug.

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