Christine Wabers Reich sieht aus wie ein Tante-Emma-Laden, in dem lange nicht ausgemistet wurde. Krimskrams bis unter die Decke. Federn, Blütenknospen aus Tüll, Glasjuwelen, Aufziehpuppen, Miniaturschuhe. Und all das soll nicht ins, sondern aufs Päckchen. Dazu Bänder, Kordeln, Stricke. Unendlich viele Sorten Geschenkpapier. «Wir wollen keine biederen Päckli. Die Leute müssen das Gefühl haben, sie würden das selbst nie so schön hinkriegen», sagt Waber. Das Auffallendste an ihr ist der Humor, gradlinig wie die Falten im Geschenkpapier. «Einmal kam ein Punk, der eine möglichst makabre Verpackung wollte.» Da habe sie ein Nümmerli an der Schachtel befestigt, «wie sie Leichen am Zeh tragen». So makaber ist das nun auch wieder nicht. «Na ja, wir können schliesslich kein Blut darüberschütten.» Lachen wie Donnergrollen.

Der Job verpflichtet

Christine Waber und ihr Team machen im Advent rund 1300 Päckli. Zu Stosszeiten über 60 täglich. Mag man da die Geschenke für die eigene Familie überhaupt noch schön einpacken? «Aber sicher!» Nur schon, weil ihr Job sie dazu verpflichte. Sie könne nicht mit lausigen Geschenken auftauchen. Drum hievte sie letztes Jahr an Heiligabend einen Eisblock auf den Gabentisch, der dann am Cheminée während Stunden vor sich hin schmolz. Am Schluss lag ein Konzertticket für den Neffen in der Pfütze.

Wer im Loeb ein Geschenk kauft, kann es am Päcklitisch für fünf Franken einpacken lassen. Das Geld ist für einen guten Zweck. Er komme jedes Jahr vorbei, sagt ein älterer Herr. «Bei der Bescherung bin ich mit meinen Geschenken der Held der Familie.» Diesmal hat er ein Männerparfum dabei. «Packen Sie es modern ein.» Was heisst modern? Das liebt Christine Waber – wenn die Leute nur vage Vorgaben machen. Wenn sie ihrer Phantasie die Sporen geben darf. Modern, das ist für Waber «schlicht, grau und schwarz, wenig Silber, kein Firlefanz». Meist Männergeschenke.

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Pro Päckchen rechnet Christine Waber mit einer halben Stunde Arbeit. So viel Herzblut! Und alles in den drei Sekunden, die es braucht, um ein Geschenk aufzureissen, futsch. Frustrierend? Ihre Hand saust durch die Luft, als wolle sie die Frage, die im Raum steht, ohrfeigen. «Die Freude, egal wie kurz, ist das Wichtigste.» Manche seien so verzaubert von der Verpackung, dass sie das Geschenk nie öffnen. Und wieder bringt ihr Lachen die Luft zum Beben.