Die Flexibilität würde ich in einem herkömmlichen Haus vermissen», sagt Daniel Steiner. Der 42-Jährige lebt seit vier Jahren mit seiner Familie in der Zukunft. Genauer: Im Haus der Zukunft, in Hünenberg ZG. Das Heim der Steiners «denkt» mit, übernimmt Aufgaben wie Rasensprengen und Lichtschaltung; es öffnet Bewohnern kontaktlos die Türe, lüftet witterungsabhängig die Räume und lässt sich per Internet fernsteuern. Unter dem Namen «Futurelife» ist das Wohnlabor im Jahr 2000 vom deutschen Milliardär Otto Beisheim lanciert worden. Rund vier Millionen Franken hat er anfangs investiert.

Ganz so teuer muss ein vernetztes Haus nicht sein. Wer sich mit moderner Kommunikations- und Unterhaltungstechnik begnügt, ist mit einem Heimnetz – neudeutsch «Home Wiring» – für einige tausend Franken dabei. Die Installation bietet in allen Zimmern TV-, Telefon- und Netzwerkanschluss. Und sie gewährleistet in der multimedialen Zukunft den Zugriff auf den gemeinsamen Drucker, den «Hausserver» mit der digitalen Musiksammlung, den Festplattenrekorder und auf alles, was die Technik sonst noch bringen wird.

Von einer solchen Multimediazentrale in Form eines Computers in jedem Haus schwärmen jedenfalls die Propheten der «digitalen Konvergenz» – gemeint ist damit die Integration aller herkömmlichen analogen Anwendungen in die digitale Computertechnik. Genauso wie im Internet würden in einem solchen Netz alle Informationen, Töne und Bilder in Datenpakete zerstückelt und über ein einziges Kabel an das richtige Gerät verschickt. Würden – denn leider ist diese kostengünstige Technik trotz hundertfacher ADSL-Bandbreite der Kabel oder der Funknetze für die Multimedia-Datenmasse nicht geeignet: Die Verteileinheiten, die die Datenpäckchen «adressieren», bilden derzeit noch einen unüberwindbaren Engpass.

Gute Planung ist wichtig


Muss ein Haus überhaupt über eine Vollverdrahtung mit TV-, Telefon- und Internetkabel in alle Räume verfügen? Ja und nein. «Wir haben beim kürzlichen Umbau unseres Hauses sehr davon profitiert, dass von Anfang an Kabelkanäle sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung eingebaut wurden», sagt Daniel Steiner vom Haus der Zukunft. Wichtig ist demnach vor allem eine Planung und der Einbau von Kanälen, Rohren oder universellen Kabeln, die eine Umrüstung für neue Anwendungen jederzeit zulassen.

Für diesen Zweck sind gebündelte «Hausnetzkabel» und entsprechende Installationen erhältlich. Ein bestechendes Konzept ist das «HomeNet» der Derendinger Firma BKS: Ihre vierteiligen Kombikabel sind vollständig nutzungsneutral. Vom Keller sternförmig verteilt, enden die Kabel in jedem Zimmer in einer Steckdose mit vier verschiedenfarbigen Buchsen. Kabeladapter sorgen dafür, dass Geräte wie TV oder Telefon an diese Einheitsschnittstellen angeschlossen werden können. Durch Umstecken in der Verteileinheit im Keller lassen sich so die verschiedenen Anschlüsse im ganzen Haus jederzeit für einen neuen Dienst nutzen.

Das Home-Wiring-System der Firma Reichle & De-Massari (R&M) hingegen setzt auf einen Kabelverbund mit spezifischen Adern für Telekommunikations-, Antennen- und Datennutzung. Dieses System ist wegen seiner Multimedia-steckdose beliebt: die R&M-Steckdose bietet auf kleinem Raum alle gängigen Kabelanschlüsse. Adapter sind überflüssig, die Verwechslung der Buchsen ist unmöglich. Auf ähnliche Konzepte setzen «HomeWayPlus» von ZidaTech in Hägendorf und «Optonet», erhältlich bei Amacher in Allschwil.

Ob sich eine Haus-Vollvernetzung für die Bewohner auszahlt? Für Hausbesitzer Dominik Borer stellt sich die Frage nicht: «Selbst wenn alle Zimmer angeschlossen sind, erhöht keines dieser Systeme die gesamten Installationskosten um mehr als zehn Prozent», hat der Elektroplaner vom Ingenieurbüro Scherler in Solothurn berechnet. In seinem Fall hat das Netz 4500 Franken gekostet – ein gutes Drittel mehr als eine herkömmliche, auf wenige Räume beschränkte Verkabelung. Die Bequemlichkeit bei der Benutzung und die Wertsteigerung des Gebäudes, so Borers Bilanz, «stehen in keiner Beziehung zur geringen Mehrinvestition».

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