Die Rechnung von A bis G ist dank der Energieetiketten schnell gemacht: Ein mittelgrosser Kühlschrank der sparsamen A-Klasse verbraucht jährlich etwa 200 Kilowattstunden Strom. Ein vergleichbares Gerät der Strom fressenden D-Klasse verschlingt rund das Doppelte. Bei einer Lebensdauer von 15 Jahren und einem Strompreis von 20 Rappen pro Kilowattstunde kostet der Betrieb des effizienteren Geräts über 600 Franken weniger.

«Sinn der Etikette wird ausgehebelt»


Die seit 2003 obligatorische Energieetikette suchte man in Fachgeschäften und Elektronikmärkten lange vergebens. Daraufhin setzten Fach- und Umweltverbände Druck auf, und das Bundesamt für Energie (BFE) drohte mit Bussen von bis zu 40000 Franken. Das wirkte: «Die Grossverteiler sind mittlerweile sehr aktiv», sagt Peter Cunz, Leiter Sektion Wirtschaft im BFE. Nur einige kleinere Fachgeschäfte seien noch nicht auf dem neusten Stand.

Bei den Kühlgeräten sind die Exemplare unter der Effizienzklasse B fast gänzlich verschwunden. Neu entwickelte Geräte sind meist noch sparsamer – zu sparsam für die Skala: Darum tragen diese Kühlschränke und Tiefkühler Label wie «A+» oder gar «A++». Der Handel preist diese Geräte beispielsweise als «Superenergiesparer» an. Ohne flächendeckende Zurückstufung der Geräte auf der Effizienzskala droht wohl irgendwann der «A-Super-Mega-Doppel-Plus»-Kühlschrank.

«Die neuen Kategorien verwirren die Konsumenten und hebeln den Sinn der Etikette aus», kritisiert Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz.

Umwelt- und Konsumentenverbände fordern darum, auf neue Klassierungen zu verzichten und stattdessen die Richtwerte für die Energieetikette regelmässig neu zu berechnen. Doch weil die Schweiz die Energieetikette tel quel von der EU übernommen hat, muss sie auf eine Entscheidung aus Brüssel warten. Und dort hat man erst vor einem halben Jahr die Effizienzklassen «A+» und «A++» offiziell eingeführt. Dem Bund bleibt nichts anderes übrig, als in der schweizerischen Energieverordnung nachzuziehen.

Quelle: Nik Hunger