Bei jedem Liter Benzin, der in der Schweiz getankt wird, reibt sich die Erdgasindustrie die Hände. Denn im Juli erhöhte der Bund die Mineralölsteuer pro Liter Benzin um 1,5 Rappen. Diese Mehreinnahmen erlaubten es, zugleich die Steuern auf Erdgas um umgerechnet 40 Rappen pro Liter zu senken. Mit diesen Massnahmen wollte das Parlament möglichst viele Autofahrer dazu bringen, auf das umweltfreundlichere Erdgas umzusteigen. Eine gute Sache, würde man meinen.

Doch davon spüren die 6000 Erdgasfahrer in der Schweiz praktisch nichts: Wenn überhaupt, senkten die Tankstellenbetreiber den Preis höchstens um ein paar Rappen. Die Steuerreduktion strich die Erdgasindustrie selbst ein. Dietmar Küther von den Industriellen Werken Basel argumentiert wie fast alle seine Kollegen: «Wir hatten die tieferen Steuern vorweggenommen. Dank der Steuersenkung können wir jetzt Erdgas kostendeckend anbieten.» Dasselbe behaupten auch teure Anbieter mit Preisen von rund Fr. 1.40 pro Liter wie die Sankt Galler Stadtwerke.

Darüber ärgert sich der Bülacher Anwalt Jürg Leimbacher, der seit sechs Jahren mit Erdgas fährt: «Von vorweggenommenen Steuersenkungen habe ich nie etwas gespürt. Die Erdgaspreise sind genauso gestiegen wie die Benzinpreise.» Dass die Steuersenkung den Kunden weitergegeben werden kann, zeigen die Betreiber zweier Luganeser Tankstellen. Sie senkten den Preis auf unter einen Franken. «Wir wollen Erdgas so günstig wie möglich verkaufen, damit noch mehr Autokäufer umsteigen. Trotzdem ist es kein Dumpingpreis unter unseren Selbstkosten», betont Mitbetreiber Michele Broggini.

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