Kampf dem Übergewicht und der ungesunden Ernährung: Dafür setzt sich das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit einer grossen Kampagne ein. Wenig Freude daran hat die Lebensmittelindustrie. Sie befürchtet, dass ihre zucker- und fettreichen Produkte als ungesund verteufelt werden. Nun graben sie vorsorglich dem geplanten BAG-Label, das gesunde Lebensmittel auszeichnet, das Wasser ab.

Wie viel Fett, Zucker oder Salz in einem Produkt steckt, sieht man nicht auf den ersten Blick. Das BAG prüft daher zurzeit die Einführung eines empfehlenden Labels auf freiwilliger Basis, wie es bereits in einigen Ländern existiert (siehe Artikel zum Thema). Ein hellblaues «OK-Häkchen» in einem Kreis mit den Worten «Bewusst wählen» soll Konsumenten die gesündere Wahl innerhalb einer Lebensmittelkategorie erleichtern.

Noch bevor entschieden ist, ob dieses eingeführt werden soll, tauchen auf diversen Lebensmitteln Labels nach dem geplanten Muster auf. Vor allem auf solchen, die nicht gerade für gesunde Ernährung stehen, sind Häkchen zu finden: etwa auf Schokoriegeln wie Snickers und Milky Way oder dem Kindersnack Milchschnitte. Die Hersteller kombinieren das Label mit dem Schriftzug «Ohne Konservierungsstoffe, künstliche Aromen und Farbstoffe». Auf der Packung mit Frühstücksflocken aus dem Hause Nestlé prangt ein Häkchen mit einer Ähre. Das soll zeigen, dass die Flocken aus gesundem Vollkorn sind. Dass die Schokoladencrisps sonst eine Zuckerbombe sind, steht nirgends.

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Das BAG sieht kein Problem in der inflationären Verwendung des OK-Hakens: «Die unterschiedlichen Labels zu Marketingzwecken haben keinen Einfluss auf die aktuellen Diskussionen um ein einheitliches Lebensmittellabel, das die gesunde Wahl erleichtert.»

Schärfere Worte finden Gesundheitsorganisationen: «Die Verunsicherung der Konsumenten hat offenbar System», sagt Heinrich von Grünigen von der Adipositas-Stiftung. Gerade wer auf ausgewogene Ernährung achten müsste, würde in die Irre geführt. «Grosse Anbieter haben offenbar kein Interesse an einer Aufklärung über gesunde Ernährung. Sie benutzen die Labels lieber als Marketinginstrument», ärgert er sich.