Papi, ich möchte ein Schlangenbrot machen», bettelt Nicole ungeduldig. Gärtnern macht schliesslich hungrig. Zuvor hat sie Kohlrabi und Radieschen geerntet, Unkraut gejätet und die vom vielen Regen festgedrückte Erde mit einer Hacke gelockert. Kurze Zeit später steht Nicole Fischli mit einem langen, teigumwickelten Stecken in der Hand am Grillfeuer und hält ihr Schlangenbrot in die züngelnden Flammen.

Dem Garten hinter dem Schulhaus Steinmatt in Derendingen SO sieht man an, dass er mit viel Liebe gepflegt wird. Jedes Beet hat seinen eigenen Charakter. Jede quadratmetergrosse Rabatte ist durch einen kleinen Zaun aus Ästen geschützt.

Eine Vogelscheuche aus Stroh mit Kopftuch und karierter Schürze steht warnend in einem Beetchen. Daneben findet sich ein kleiner Unterschlupf für Igel, sorgfältig aus Ästen und Rinde zusammengebaut. Aber auch Pflanzen spriessen: Tomaten, Kohlrabi, Petersilien, Kresse und Sonnenblumen. Und die Kinder haben Freude daran. Das ist nicht selbstverständlich

Den Garten entdecken
«Für viele Kinder ist es ein Ablöscher, wenn sie ganze Nachmittage lang nur Unkraut jäten oder Johannisbeeren ablesen müssen», weiss Hansjürg Hörler, Agronomieingenieur des Büros «naturnah» im bernischen Ittigen.

Zusammen mit dem Verband Deutschschweizer Gartenbauvereine hat er deshalb das Projekt «Eltern-Kind-Gärtnern» lanciert. «Wir möchten die Eltern ermuntern, mit ihren Kindern den Garten auf eine neue, spielerische Art zu entdecken.» Ganz nebenbei dient der Lehrgang der gezielten Nachwuchsförderung für die Gartenbaubranche.

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Das wegweisende Projekt kann von allen interessierten Gruppen durchgeführt werden. In Derendingen wird der Kurs von der Bioterra Solothurn organisiert und steht unter dem Motto «Chumm mit mir is Gärtli». An sieben Nachmittagen vom Frühling bis im Herbst vermittelt die Kursleiterin Edith Moor den Kindern den Bezug zur Natur: «Die Kinder sollen möglichst viel mit den Händen machen, alles in die Hände nehmen sowie das Gemüse und die Früchte essen können.» Deshalb wird auch kein Gift verwendet.

Die Initianten sprechen mit ihrem Projekt vor allem Eltern mit Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren an – besonders auch solche, die keinen eigenen Garten zur Verfügung haben. Den Familien soll Wissen über die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten vermittelt werden. Den ganzen Sommer hindurch lernen die Kinder, ein kleines Beet zu betreuen und die Kreisläufe der Natur – vom Samen bis zur reifen Frucht – zu verstehen. Von der Gartengestaltung übers Düngen, Säen und den Pflanzenschutz bis hin zum Kompostieren.

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Jeweils zwölf Eltern werden in einem Kurs in den biologischen Gartenbau eingeführt. Um die Kinder kümmert sich eine Betreuerin. Sie greift helfend ein, spielt mit ihnen, bastelt Vogelscheuchen oder Nistplätze, beobachtet und zeichnet mit den Kindern Tiere.

Daheim hätten sie auch einen Garten, sagt Othmar Fischli. Da helfe seine Tochter Nicole zwar nicht so enthusiastisch mit, weil meistens die Zeit fehle und ihr anderes wichtiger sei. «Hierher aber kommt sie immer sehr gern.»

Das geht auch dem Vater so. Othmar Fischli interessiert sich für den biologischen Gartenbau und hat dank dem Kurs selber noch einige Tricks und Kniffe für daheim dazugelernt.

Der Kurs hilft auch den Eltern
Viel profitiert hat auch Monika Rubli. Sie und ihr Mann sind durch eine Ausschreibung auf den Eltern-Kind-Gärtnern-Kurs aufmerksam geworden. Früher hatten sie selber einen Gemüsegarten zu Hause. «Ich war aber oft frustriert», erinnert sich Monika Rubli, «weil die Tomaten und Zucchetti bei meinen Eltern immer viel grösser und schöner waren als unsere.» So liess sie das Gärtnern eine Zeitlang sein. Erst dank diesem Kurs haben Rublis wieder mit dem eigenen Anbau begonnen. Offenbar zur Freude ihrer Tochter: Manchmal, sagt Monika Rubli, könne ihre Tochter kaum warten, bis es wieder Zeit sei, in den Garten zu gehen.

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Unterdessen ist das Mittagessen parat. Frischer gemischter Salat aus «eigener Produktion» mit Rüebli, Kohlrabi, Radiesli, Tomaten und frischen Kräutern steht auf dem Speisezettel. Dazu gibts Schlangenbrot und Würste vom Grill. Die kleine Nicole langt kräftig zu.