Pascal Zuberbühler

Beobachter: Was, ausser dem Namen, haben Sie und Ihr bekanntes Pendant gemeinsam?
Pascal Zuberbühler: Wir sind etwa im gleichen Alter und müssen uns täglich in unserem Business bewähren, wo es Siege und Niederlagen gibt. Im Übrigen würde ich sagen, dass auch ich bekannt bin - seinetwegen.

Beobachter: Werden Sie oft verwechselt?
Zuberbühler: Es gibt zahlreiche Erlebnisse, positive wie negative. Ich erhalte regelmässig Fanpost, wobei mir aufgefallen ist, dass früher oft Briefe mit Fotos von hübschen Mädchen dabei waren. Das hat aufgehört - offenbar hat der andere Pascal Zuberbühler an Attraktivität verloren. Nervig wird es, wenn die Leute mitten in der Nacht anrufen und losschimpfen. Einmal, als die Nationalmannschaft irgendwo im Ausland verloren hat, hat eine Frau angerufen und mich regelrecht zusammengeschissen. Ich konnte ihr nur mühsam klar machen, dass sie mich zehn Minuten nach dem Schlusspfiff wohl kaum hier zu Hause erreicht hätte, wenn ich der Goalie wäre...

Beobachter: Was würden Sie von Ihrem Namensvetter wissen wollen, wenn Sie ihn einmal treffen könnten?
Zuberbühler: Wie er sich abgrenzen kann gegenüber den Begehrlichkeiten der Öffentlichkeit. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, berühmt und für alle immer verfügbar zu sein.

Beobachter: Würden Sie mit ihm tauschen wollen?
Zuberbühler: Nein. Klar lässt sich im Spitzenfussball viel Geld verdienen, aber das wiegt es bei weitem nicht auf, dass man dafür seine Privatsphäre aufgeben muss. Da bleibe ich lieber bei meinem Leben, das gefällt mir nämlich.

Beobachter: Der «richtige» Zubi kann besser Fussbälle halten als Sie. Was können Sie besser?
Zuberbühler: Heizungen flicken - diese Behauptung wage ich jetzt einfach mal. Das ist mein erlernter Beruf.

Beobachter: Wie weit kommt die Schweiz an der Euro 08?
Zuberbühler: In die Viertelfinals. Das ist aber ein Laientipp: Ich schaue gerne mal ein Spiel, bin aber kein Fan und schon gar kein Experte.

Das Original: Pascal Zuberbühler, 37, stand 50-mal im Tor des Nationalteams. In der Schweiz machte der Thurgauer Karriere bei den Grasshoppers und dem FC Basel, unterbrochen durch Auslandsaufenthalte bei Leverkusen (D) und West Bromwich Albion (GB). Heute spielt «Zubi» bei Neuchâtel Xamax.


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Jakob Kuhn, 84, Wohlen AG, Pensionär, früher Inhaber einer Mehl- und Futtermühle, verheiratet, sechs Kinder und sieben Enkelkinder

Jakob Kuhn

Beobachter: Sind Sie sportlich?
Jakob Kuhn: Ja, meine Leidenschaft gilt dem Langlauf: Ich habe 21 Mal am Engadin-Marathon teilgenommen. Das letzte Mal mit 80 Jahren. Leider musste ich aus gesundheitlichen Gründen aufhören.

Beobachter: Und Fussball?
Kuhn: Ich bin einer der Sponsoren des FC Wohlen, der in der Challenge League spielt. Auch heute noch besuche ich hie und da einen Match.

Beobachter: Sind Sie Ihrem Namensvetter Köbi Kuhn je begegnet?
Kuhn: Nein, aber er hat mir einen Brief geschrieben. Seine Frau heisst ja Alice, wie meine. Es gibt viele Fans, die uns verwechseln. Einmal schrieb eine Mädchenklasse Briefe, verziert mit lauter Herzchen. Diese Fanpost schickte ich wie alle andere auch weiter an den richtigen Köbi Kuhn in Zürich. Er hat mir dafür gedankt und ein Foto mit Autogramm beigelegt. Wenn der grosse Rummel vorbei sei, werde er gerne einmal vorbeikommen, schrieb er.

Beobachter: Was wollen Sie ihn fragen, falls er kommt?
Kuhn: Mich interessiert vor allem, welche Überlegungen er anstellt. Etwa bei der Frage, welcher Goalie die Nummer eins sein soll.

Beobachter: Werden Sie auch am Telefon verwechselt?
Kuhn: Ja, einmal wollte mir ein Berner Bauer Tipps geben, wie die Nationalmannschaft aufgestellt werden müsste.

Beobachter: Wie reagieren Sie auf solche Verwechslungen?
Kuhn: Ich nehme es mit Humor, denn ich freue mich auf die Euro - ein sehr grosses Ereignis für unser Land. Ich hoffe, dass die Nationalmannschaft mehrere Spiele gewinnen wird, obwohl mich die letzten Begegnungen nicht sehr zuversichtlich gestimmt haben.

Beobachter: Leiden Sie mit, wenn es dem Nati-Trainer schlecht läuft?
Kuhn: Nein, das nicht gerade. Aber ich würde es bedauern, wenn die Schweiz schlecht abschliessen würde, auch für Köbi Kuhn. Am wichtigsten ist mir aber, dass die EM friedlich, anständig und fair über die Bühne geht.

Beobachter: Wie weit kommt die Schweiz an der Euro?
Kuhn: Ich hoffe, dass sie die Vorrunde überstehen. Das wäre ein grosser Erfolg.

Das Original: Jakob «Köbi» Kuhn, 65, seit 2001 Trainer der Nationalmannschaft, die er bisher 68-mal betreute und zur EM 04 sowie zur WM 06 führte. Nach der Euro 08 wird er zurücktreten.

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Johann Vonlanthen, 53, Rechthalten FR, Angestellter im Bundesamt für Migration, verheiratet, zwei Kinder

Johann Vonlanthen


Beobachter: Interessieren Sie sich für Fussball?
Johann Vonlanthen: Ja, mein Herz schlägt für den Viertligisten FC Rechthalten, dort spielt mein 20-jähriger Junior Michael. Ich bin praktisch an jedem Match dabei.

Beobachter: Und wenn die Schweizer Nati spielt, gehen Sie auch ins Stadion?
Vonlanthen: Nein, aber ich verfolge alle Spiele am Fernsehen. Auch meinen Namensvetter. Allerdings finde ich den Kult um die Torschützen übertrieben, denn um zu gewinnen, müssen elf Spieler gut sein.

Beobachter: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Namensvetter?
Vonlanthen: Wir haben beide ein rundes Gesicht und kurze Haare, bei mir macht sich allerdings immer mehr die Glatze breit.

Beobachter: Wenn Sie ihn treffen könnten: Was möchten Sie von ihm wissen?
Vonlanthen: Spannend wäre es, zu erfahren, woher er kommt. Ich glaube, er ist irgendwo in Südamerika aufgewachsen. Hätte er dort auch die Chance gehabt, so erfolgreich zu werden? Was braucht es überhaupt, um vom Fussball leben zu können? Es ist sicher nicht immer nur ein Zuckerschlecken.

Beobachter: Und was würden Sie ihm raten?
Vonlanthen: Er hat Glück, dass er talentiert ist - dazu muss er Sorge tragen. Andere arbeiten ihr ganzes Leben lang und erreichen doch nichts.

Beobachter: Wie oft werden Sie mit ihm verwechselt?
Vonlanthen: Ich werde am Telefon ab und zu gefragt, ob ich denn der Fussballer sei. Dann antworte ich: «Leider nein.»

Beobachter: Würden Sie denn gerne mit ihm tauschen?
Vonlanthen: Ja, sicher. Ich würde sehr gern die Atmosphäre vor einem grossen Spiel miterleben.

Beobachter: Fiebern Sie mit, wenn er spielt?
Vonlanthen: Am Anfang hatte ich mehr von ihm erwartet, aber er ist ja noch jung. Er muss lernen, sich auch dann im Spiel zu engagieren, wenn er nicht gerade am Ball ist.

Beobachter: Was können Sie besser als er?
Vonlanthen: Ich kann mein Brot mit Arbeit verdienen und bin dankbar, dass ich handwerklich geschickt bin. Wenn es im Haus einen Neuanstrich braucht oder gemauert werden muss, mache ich alles selbst.

Beobachter: Wie weit kommt die Schweiz an der Europameisterschaft?
Vonlanthen: Wenn sie in der Vorrunde als Team zusammenarbeiten, kommen sie weit, wenn nicht, wirds schwierig. Gute Einzelaktionen reichen nicht.

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Das Original: Johan Vonlanthen, 22. Mit 16 debütierte er mit YB in der höchsten Schweizer Liga, mit 17 spielte er mit Eindhoven in der Champions League und 2004 wurde er zum bisher jüngsten EM-Torschützen. Heute spielt er bei Red Bull Salzburg.

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Alex Frei, 54, Au SG, Mathematiklehrer an einer Mittelschule, verheiratet, drei Kinder

Alex Frei

Beobachter: Wie gut kennen SieIhren Namensvetter?
Alex Frei: Nur vom Fernsehen her. Ich finde ihn sympathisch, er macht auf mich einen positiven, zupackenden Eindruck.

Beobachter: Wenn Sie ihn treffen könnten: Was würden Sie von ihm wissen wollen?
Alex Frei: Was er nach dem Abschluss seiner Karriere tun will. Das frage ich mich immer wieder bei Spitzensportlern, die ja noch sehr jung sind, wenn sie aufhören: Wie finden sie den Übergang zum normalen Leben? Da dringt wohl der Lehrer in mir durch.

Beobachter: Und was hätten Sie ihm schon lange einmal sagen wollen?
Frei: Dass er sich seiner Verantwortung als Vorbild für Jugendliche bewusst sein soll und diese auch wahrnimmt. Womit ich jetzt nicht sagen will, dass Alex Frei das nicht tut. Aber viele Sportler unterschätzen ihre Wirkung auf die Jungen gewaltig.

Beobachter: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen beiden?
Frei: Eine Gemeinsamkeit gibt es vielleicht: Auch als Lehrer ist man ein bisschen eine Person der Öffentlichkeit. Ausserdem war ich früher in der Regionalpolitik aktiv, auch da bekommt man einen gewissen Bekanntheitsgrad. Aber der andere Frei erlebt das natürlich in einer ganz anderen Dimension. Tauschen möchte ich nicht.

Beobachter: Kann es auch ein Vorteil sein, gleich zu heissen wie ein Star?
Frei: Ja, ich muss nicht erklären, ob man meinen Namen mit «i» oder «y» schreibt. Ich sage bloss: «Wie der Fussballer.»

Beobachter: Zieht man Sie ab und zu auf wegen des «richtigen» Alex Frei?
Frei: Es gibt faule Sprüche, von den Schülern wie auch im Bekanntenkreis. Vor allem dann, wenn die Nati schlecht spielt. Einmal wurde ich bei einer Klassenzusammenkunft mit einem Zeitungsausschnitt begrüsst, auf dem stand: «Was ist los mit Alex Frei?»

Beobachter: Was können Sie besser als Ihr Pendant?
Frei: Rechnen.

Beobachter: Wie weit kommt die Schweiz an der Euro 08?
Frei: Ich wünsche mir, dass die Nati es ins Halbfinale schafft. Das ist aber mehr Hoffnung als Glaube.

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Das Original: Alex Frei, 29, ist Captain und gilt als Torgarant der Nationalmannschaft. Der Baselbieter spielte bis 2003 in diversen Schweizer Teams, ehe er bei Stade Rennais (F) zum Topstürmer avancierte. Seit 2006 spielt Frei bei Borussia Dortmund (D).

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Daniel Gygax, 45, Dielsdorf ZH, Betriebs-fachmann in der Maschinenindustrie, verheiratet, zwei Kinder

Daniel Gygax

Beobachter: Sind Sie Ihrem Namensvetter je begegnet?
Daniel Gygax: Ja, vor ein paar Jahren während der U-21-Europameisterschaft. Wir trafen ihn direkt nach einem Spiel. Er war ausgelaugt und enttäuscht, weil sie verloren hatten. Von daher war es nur ein kurzes Treffen, mehr so «Sali» und «Tschüss».

Beobachter: Gibt es, neben dem Namen, Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Pendant?
Gygax: Wir sind total verschieden. Er betont gern sein Anderssein, ist der ausgeflippte, künstlerische Typ, der als DJ Musik macht. Damit habe ich nichts am Hut. Und er steht für den FCZ, ich bin eingefleischter GC-Fan. Ich wuchs in Zürich gleich neben dem Hardturmstadion auf.

Beobachter: Werden Sie oft verwechselt mit dem «richtigen» Daniel Gygax?
Gygax: Vom Aussehen her natürlich nicht, ich bin ein anderer Jahrgang! Aber am Telefon mitunter schon. Einmal habe ich einen Fanbrief bekommen. Da standen Sachen drin wie «Gygi, bisch ein geile Siech». Verrückt: Der andere Dani bekommt solche Briefe sicher laufend.

Beobachter: Wünschen Sie sich manchmal, anders zu heissen?
Gygax: Nein, im Gegenteil. Mich freut es, wenn die Leute auf meinen Namen reagieren, das gibt gute Kontakte. Früher in der Schule wurde ich wegen meines Nachnamens oft gehänselt. Das gibts heute nicht mehr. Der berühmte Gygax hat uns sozusagen salonfähig gemacht.

Beobachter: Möchten Sie manchmal tauschen mit Ihrem Namensvetter?
Gygax: Nein. Fussballer zu sein war zwar ein Kindheitstraum von mir. Aber ich denke, es hat auch viele Schattenseiten, wenn man ein Star ist. Darauf kann ich verzichten. Ich habe eine gute Familie und führe ein normales Leben, das passt mir.

Beobachter: Was können Sie besser als Ihr Pendant?
Gygax: Fischen.

Beobachter: Wie weit kommt die Schweiz an der Euro 08?
Gygax: Die Schweiz kommt in die Halbfinals. Aber ich gebs zu: Das ist ziemlich hoch gepokert.

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Das Original: Daniel Gygax, 27, erlebte seinen Aufschwung in den Jahren 2004/05 beim FC Zürich. Damals spielte er auch in der Nati. Der Erfolg brachte ihn nach Frankreich (OSC Lille, heute FC Metz), wo er sich indes nicht durchsetzen konnte.

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Christoph Spycher, 30, Zürich, Biochemiker, verheiratet und Vater einer fünf Monate alten Tochter

Christoph Spycher

Beobachter: Interessieren Sie sich für Fussball?
Christoph Spycher: Ich verfolge die Young Boys und die Nationalmannschaft. Ich war schon an einem Spiel gegen Brasilien. Und an der WM in Deutschland habe ich die Schweiz gegen Togo gesehen. Dort waren 60'000 Zuschauer - grandios!

Beobachter: Und ausländischer Klubfussball?
Spycher: In Deutschland interessiert mich Dortmund, ursprünglich wegen Stéphane Chapuisat. Und heute, weil Alex Frei dort spielt.

Beobachter: Nicht Eintracht Frankfurt?
Spycher: Nein, obwohl mein Namensvetter dort spielt.

Beobachter: Wie gut kennen Sie ihn?
Spycher: Nicht sehr gut. Als Mensch wirkt er auf mich sympathisch. Er muss nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen und stellt sich immer auch in den Dienst der Mannschaft. Das finde ich toll.

Beobachter: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und ihm?
Spycher: Ja, er ist nur ein paar Monate jünger als ich. Zudem ist auch er vor kurzem Vater geworden.

Beobachter: Was möchten Sie von Ihrem Namensvetter wissen?
Spycher: Wann er sich entschied, voll auf die Karte Fussball zu setzen. Der Beruf des Profifussballers ist riskant. Wir Schweizer sichern uns ja eher gegen jedes Risiko ab. Ich selbst hätte wohl kaum gewagt, ein solches Risiko einzugehen.

Beobachter: Möchten Sie ab und zu mit Ihrem Pendant tauschen?
Spycher: Es wäre sicher schön, einen Pokal zu stemmen. Oder das Gefühl nach einem Sieg. Aber ich kann darauf verzichten, im Rampenlicht zu stehen und persönlichen Angriffen ausgesetzt zu sein.

Beobachter: Wie weit kommt die Schweizer Nati an der EM?
Spycher: Dank Christoph Spycher bis in den Halbfinal.

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Das Original: Christoph Spycher, 30, hat 38 Länderspiele für die Schweiz bestritten, meist als linker Aussenverteidiger. Der Innerschweizer schaffte relativ spät den Durchbruch im Profifussball. Via GC gelang ihm der Sprung in die deutsche Bundesliga: Seit 2005 ist er Stammspieler bei Eintracht Frankfurt.



Dossier: Fussball Euro08

Weitere nützliche Infos rund ums Fussballfest finden Sie im Beobachter-EM-Dossier unter www.beobachter.ch/euro08.

Quelle: Tina Steinauer