Veröffentlicht ein Veranstalter oder ein Vermittler einen Prospekt, so sind die darin enthaltenen Angaben für ihn verbindlich»: So stehts zumindest im Bundesgesetz über Pauschalreisen. Entscheidend ist der Eindruck, den die Prospekte bei «durchschnittlichen Reisekunden» erwecken.

Ein sehr dehnbarer Begriff. Wird Ihnen im Ferienkatalog zum Beispiel ein «Direktflug» zum Ferienort versprochen, kann Ihr Flieger trotzdem zwischenlanden. In diesem Fall haben Sie keinerlei Anspruch auf Preisnachlass, denn nur ein «Nonstopflug» bringt Sie tatsächlich direkt ans Urlaubsziel. Freuen Sie sich auch nicht zu früh, wenn Sie Ihr Hotel schon nach «kurzem Transfer vom Flughafen» erreichen, heisst das doch oft, Sie logieren in lärmiger Nähe zum Airport.

Sie sollten Prospekte aber nicht nur richtig lesen, sondern vor allem auch kritisch anschauen. Mit einem Weitwinkelobjektiv wirken Zimmer viel grösser, als sie wirklich sind. Ein Hotel lässt sich bildfüllend zeigen ohne störendes Drumherum. Oder es rückt mittels eines Teleobjektivs direkt an den Strand, obwohl in Wirklichkeit einige hundert Meter dazwischenliegen. Solche optischen Tricks sind weit verbreitet und ganz legal.

Lassen Sie sich hingegen nicht bieten, wenn Ihnen in Wort und Bild eine sonnige Terrasse zum Frühstücksbuffet versprochen wird, diese aber wegen Umbaus nicht benützbar ist. In einem solchen Fall steht Ihnen eine Preisreduktion zu. Das Katalogangebot kann zwar geändert werden, aber nur wenn beide Parteien also sowohl das Reisebüro als auch der Kunde damit einverstanden sind.

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Weniger Verfehlungen als früher

Trotzdem: Nach Meinung von Nicolas Oetterli, Ombudsmann der Schweizer Reisebranche, sind die Prospekte wahrer und präziser geworden: «Seriöse Anbieter wollen sich da heute nichts mehr zuschulden kommen lassen.» Weniger als zehn Prozent der Anfragen betreffen Klagen wegen unklarer, unseriöser oder marktschreierischer Prospekte, schätzt Oetterli.

Jene Klagen, die der Ombudsmann tatsächlich wegen falscher Anpreisungen erhält, sind allerdings meistens begründet. Etwa wenn der angekündigte «Tennisplatz» sich als unbespielbar herausstellt, das «freundliche Zimmer» nur den Blick auf eine sechs Meter hohe Mauer freigibt oder wenn das Foto im Prospekt ein Hotel direkt am Strand zeigt, in Wirklichkeit aber längst andere Bauten die Meersicht verstellen. In diesen Fällen hat Oetterli Rückerstattungen in unterschiedlicher Höhe von den Veranstaltern erwirkt.

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Wahrheitstreue auch bei Billigreise

Für den Ombudsmann ist wichtig, dass das Pauschalreisegesetz auch bei Billigreisen gilt. «Mich stören die Superlative in der Werbung, obwohl dies allein schon vom Preis her gar nicht möglich ist. Das weckt falsche Erwartungen und kann Klagen provozieren.» Selbstverständlich haben sich die Veranstalter auch bei Billigangeboten an die Wahrheit zu halten. Fehle etwa der versprochene Swimmingpool, so Oetterli, bestehe ein Minderungsgrund egal, wie viel das Arrangement koste.

Gemäss Entscheid des Bundesgerichts von 1987 sind bei Pauschalreisen als Mindestinhalt von Prospekten unter anderem Angaben zum Reiseziel vorgeschrieben. Ferner zu den Transportmitteln, den Visa- und Impfbestimmungen, der Art der Unterkunft, dem Umfang der im Preis enthaltenen Leistungen sowie zur Dauer und zu den Reisedaten. Das gilt auch, wenn die Reise im Internet angeboten wird.

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Wie lange ist man zwölf Jahre alt? Dumme Frage, werden Sie jetzt denken natürlich bis zum 13. Geburtstag. Doch diese verbreitete Vorstellung gilt nicht für Reiseveranstalter. Ermässigungen für Kinder von zwei bis zwölf Jahren werden in aller Regel bloss bis zum vollendeten elften Lebensjahr gewährt. Oft wird aus den Prospekten nicht klar, ob die reduzierten Preise für Kids auch gelten, wenn sie ein eigenes Zimmer belegen oder nur auf Zusatzbetten im Zimmer der Erwachsenen schlafen. Gelten die Ermässigungen auch auf die Halbpension, die Meersicht und die Wochenendflüge? Klären Sie offene Fragen unbedingt vor dem Buchen ab.

«Sämtliche Zuschläge und Rabatte sollten im Katalog aufgeführt sein», fordert das Staatssekretariat für Wirtschaft. Trotzdem werden Preisvergleiche in den Reiseprospekten immer schwieriger. Einerseits kalkulieren die Veranstalter mit unterschiedlichen Saisonperioden. Anderseits können die verschiedenen Zuschläge für Flughafentaxen, Visa-Gebühren, Kerosinpreiserhöhung, Wochenendflüge, Annullationskostenversicherung, Festtagszuschläge und Auftragspauschalen der Reisebüros das Arrangement um 20 und mehr Prozent verteuern. Entscheidend ist also nicht der tiefe Grundpreis, sondern der Totalbetrag.

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Verloren im Preisdschungel

Einige Veranstalter operieren zwar mit so genannten Totalpreisen. Doch auch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. So sind die oft als «obligatorisch» verkauften Annullationskostenversicherungen dann überflüssig, wenn Sie über eine Jahresreiseversicherung oder den Schutzbrief von TCS, VCS oder ACS verfügen.

Verschiedene Tests von Konsumentenorganisationen haben zudem gezeigt, dass selbst die Reisebüros im Preis-Tohuwabohu den Durchblick verlieren. Rechnen Sie deshalb selber nach. Und lassen Sie sich vom Reiseverkäufer bei Unklarheiten das Kataloglatein übersetzen.