Je heisser die Sonne brennt, desto grösser sind die Menschenmassen in den Badis. Wer da ein schattiges Plätzchen sucht, hat es schwer. Besonders Kinder sind in Planschbecken und Spielzonen in vielen Freibädern ungeschützt der prallen Sonne und damit einem erhöhten Hautkrebsrisiko ausgesetzt: Dies zeigt eine Stichprobe in 13 Schwimmbädern, die der Beobachter in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) Anfang Juni durchgeführt hat.

Das Resultat: 9 der 13 Badis bieten viel zu wenig Schatten – sie schnitten mit «genügend» oder «ungenügend» ab. Nur vier Schwimmbäder erreichten die Note «gut»: die Badis in Birmensdorf ZH, Köniz BE, Solothurn und Affoltern am Albis ZH.

BfU-Spezialist Manfred Engel besuchte die öffentlichen Freibäder zwischen 11 und 15.30 Uhr. Zu dieser Zeit ist die Sonneneinstrahlung und damit die UV-Belastung am stärksten. Engel prüfte vier verschiedene Bereiche:

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  • Planschbecken: Hier spielen Kinder oft stundenlang im Wasser. Das erfrischende Nass verstärkt die Sonneneinstrahlung. Trotzdem sind diese Bereiche in 11 der 13 untersuchten Badis nicht vor der Sonne geschützt. Engel: «Mindestens die Hälfte des Beckens sollte beschattet sein. Etwas Sonne braucht es, damit sich das Wasser aufwärmen kann und die Kinder bei Wind nicht kalt haben.»
  • Sandkasten: Immerhin in 8 von 13 Badis ist mindestens die Hälfte des Sandkastens beschattet.
  • Rutschbahn: Die Rutsche steht meist in der Sonne. Nicht in Urdorf: Dort hat man sie im Frühjahr entfernt – weil sie zu heiss wurde. Engel: «Kinder können sich an der heissen Oberfläche verbrennen. Dies ist mit ein Grund, weshalb eine Rutsche in den Schatten gehört.»
  • Randzonen: Auch für Eltern, die ihre Kinder beaufsichtigen, sollten Schattenplätze am Rand der Spielzone vorhanden sein. Doch in den meisten Bädern fehlen sie. Steht nicht zufällig ein Baum in der Nähe von Rutsche oder Planschbecken, sitzen die Betreuer in jedem zweiten untersuchten Schwimmbad an der prallen Sonne.

Die meisten Badis scheuen die Kosten
Zwar schneiden viele Bäder in der Stichprobe ungenügend ab. Trotzdem ist Manfred Engel «positiv überrascht», da ein Umschwung erkennbar sei. «Es gibt mehr Schatten als noch vor zehn Jahren.» Im Hitzesommer letztes Jahr beklagten sich viele Eltern bei den Verantwortlichen der Schwimmbäder. Solothurn und Birmensdorf installierten in der Folge in ihren Badis kürzlich grosse Sonnensegel, in Olten besorgte man zwei grosse Schirme für das Kinderbecken. Die Verantwortlichen des Berner Marzili-Freibads versprechen, noch diesen Sommer einen grossen Schirm über dem Planschbecken zu montieren. Auch in Baden will man dies prüfen.

Doch die Kosten dafür sind hoch. Das 150-Quadratmeter-Sonnensegel über dem Sandkasten in Solothurn kostete 9500 Franken – ein Schnäppchen von der Expo. Der normale Preis dafür wäre rund 27'000 Franken. Birmensdorf gab 9000 Franken aus für ein halb so grosses Segel.
Ebenfalls auf 9000 Franken belief sich die Anschaffung der beiden Schirme in Olten. «Die Kosten sind der Hauptgrund, weshalb viele Bäder keinen genügenden Sonnenschutz haben», sagt Hansueli Nievergelt, Präsident des Badmeisterverbands. Dabei handelt es sich um langfristige Investitionen, wie das Beispiel Aarau zeigt: Dort deckt schon seit zwölf Jahren der gleiche Schirm den Sandkasten ab.

Manche Badis behelfen sich mit halbherzigen Lösungen: In Muri AG zum Beispiel hat man im Planschbecken vier gewöhnliche Sonnenschirme aufgestellt. Sie sind zu klein und bieten zu wenig Schatten. Trotzdem hält Engel Sonnenschirme generell für die flexiblere Lösung als Sonnensegel. «Scheint die Sonne nicht mehr so stark, kann man sie im Gegensatz zum fixen Segel rasch schliessen.»

Gratis-Sonnenschirme gibts von der Krebsliga – sie schenkt den Freibädern jedes Jahr 1000 Stück. «Sandkasten und Planschbecken sollten unbedingt besser beschattet werden», fordert Ruth Barbezat, Leiterin des Hautkrebsprogramms. «Neuerkrankungen nehmen stark zu. Und die Patienten werden immer jünger.» Im Gegensatz zu Erwachsenen sind die Eigenschutzmechanismen der Haut und der Augen bei Kindern noch nicht vollständig ausgebildet. Die Haut ist heller, die Kopfhaare sind noch spärlich – Kinder brauchen daher zusätzlichen Schutz.

Die Folgen von zu viel Sonne zeigen sich erst 20 bis 30 Jahre später. «Viele der Schäden, die Hautkrebs verursachen, sind in der Kindheit passiert», sagt Dermatologe Reinhard Dummer. Wiederholte Sonnenbrände in den ersten 20 Lebensjahren erhöhen das Hautkrebsrisiko markant. Für den Uniprofessor gibt es nur ein Rezept: «Schatten ist die einfachste Prävention. Schatten reduziert die UV-Belastung der Haut um die Hälfte, geeignet sind Laubbäume und dicht gewebter Stoff.» Der Dermatologe geht noch einen Schritt weiter: «Im Sommer ist direkte Sonneneinstrahlung immer zu vermeiden.» Er besucht mit seinen Kindern konsequent nur noch Badis mit viel Schatten.