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Functional FoodGrosser Nutzen für die Anbieter

Speziallebensmittel sollen gesund und schön machen– vor allem aber sind sie ein schönes Geschäft.

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«Schönheit kommt aus dem Magen.» Das suggeriert zumindest die Werbung für Lebensmittel, die mit Extrakten der Sukkulente Aloe Vera angereichert wurden – der letzte Schrei im Food-Sektor. Manche Produkte betonen den Mehrwert gar im Namen, wie beispielsweise der Fruchtsaft «Beauty Colada».

Das Geschäft mit angereicherten Lebensmitteln boomt. «Die Konsumenten kaufen immer öfter Produkte mit einem Zusatznutzen», sagt Philippe Oertlé von Nestlé Schweiz. Der Nahrungsmittelmulti erzielt weltweit 5,7 Prozent des Gesamtumsatzes mit Functional Food – jährlich rund fünf Milliarden Franken.

Aufgemotzte Nahrung ist nichts Neues: Ovomaltine ist seit rund 100 Jahren auf dem Markt – ein Klassiker unter den «Fitmachern». Sobald Lebensmittel Zusätze enthalten, die der Gesundheit und dem Wohlbefinden zuträglich sein können, spricht man von Functional Food. Sie sind zum Beispiel mit Vitaminen und Mineralstoffen versetzt, oder es handelt sich um Pro- oder Präbiotika.

Den probiotischen Nahrungsmitteln werden lebende Bakterienstämme zugesetzt; Präbiotika hingegen enthalten bestimmte Ballaststoffe; beides soll die Verdauung verbessern. Daneben werden den Nahrungsmitteln etwa cholesterinsenkende Substanzen wie der sekundäre Pflanzenstoff Stanol zugeführt. Pharmakologisch aktive Stoffe dürfen allerdings nicht verwendet werden. «Ein Lebensmittel darf nur Substanzen enthalten, die üblicherweise via Nahrungsmittel konsumiert werden», erklärt Elisabeth Nellen-Regli, Verantwortliche für spezielle Lebensmittel beim Bundesamt für Gesundheit.

Ernährungsexperten sind skeptisch, was den teuer erkauften Zusatznutzen angereicherter Lebensmittel angeht. «Mit Functional Food ernährt man sich nicht gesünder», sagt etwa Christine Jordi Bärtschi. Werden viele solcher Nahrungsmittel konsumiert, bestehe sogar die Gefahr einer Überdosierung, zum Beispiel mit Vitamin A, so die diplomierte Ernährungsberaterin. «Grundsätzlich empfehle ich keinen Functional Food.»

Veröffentlicht am 05. August 2003