Es stört mich, dass mit Spendengeld Bücher produziert werden! Damit könnte man doch viel Gutes tun.» Herbert K. (Name geändert) ist mit seinem Ärger nicht allein: Ist man mal in den Adressdatenbanken der Hilfswerke registriert, erhält man regelmässig unbestellt Kalender, CDs und Bücher.

Ariuscha Davatz von der Stiftung Zewo, der Fachstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen, hat Verständnis für den Überdruss mancher Empfänger. Die Erfahrung zeige aber, «dass mehr gespendet wird, wenn dem Einzahlungsschein etwas beiliegt». Zudem habe sich der Konkurrenzkampf verschärft, denn wegen der Wirtschaftslage nehme die Spendefreudigkeit der Schweizer ab: Im Rekordjahr 2001 flossen 930 Millionen Franken Spenden, 2002 waren es noch 750 Millionen.

Der Aufwand für das Fundraising ist riesig. So hat etwa die Schweizerische Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte (SBS) heuer 200'000 Märchenbücher verschickt – Kostenpunkt: 715'777 Franken. Obwohl letztes Jahr ein Drittel der Bücher weder bezahlt noch retourniert worden sei, habe ein Nettoertrag von 1,6 Millionen Franken resultiert, sagt Peter Grand von der SBS.

Noch besser schneidet das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) ab, das dieses Jahr 280'000 Agenden unter die Leute bringt. 2002 habe die Aktion rund 2,2 Millionen Franken an Spenden eingebracht, erklärt SRK-Fundraiser Arno Rollier, rund fünfmal mehr, als dafür aufgewendet worden sei.

Unter Druck setzen lassen muss man sich durch derartige Spendenaufrufe allerdings nicht. Artikel 6a des Obligationenrechts hält klar fest: «Der Empfänger ist nicht verpflichtet, die Sache zurückzusenden oder aufzubewahren.»