«Wir stellen Ihren Tacho, egal ob mechanisch oder elektronisch, auf jeden gewünschten Kilometerstand ein.» Stolz preist die Firma Tachoservice München im Internet ihre Dienste an. Wer dieses Angebot in Anspruch nimmt, hat normalerweise nur ein Ziel: einen tieferen Wert auf der Anzeige. Denn ein Gebrauchtwagen mit 70'000 statt 170'000 Kilometern lässt sich nicht nur einfacher, sondern vor allem teurer verkaufen.

Bis zu ein Drittel aller deutschen Gebrauchtwagen dürften derart für den Verkauf fit getrimmt sein, schätzt die deutsche Sachverständigenorganisation Dekra. Doch nicht nur unsere nördlichen Nachbarn drehen tüchtig am Tacho. Auch helvetische Autobesitzer und Occasionshändler lassen Kilometerzählern nur zu gern eine Verjüngungskur angedeihen.

Bislang profitieren vorab deutsche Tuningbetriebe von der Manipulierfreudigkeit der Schweizer. Etwa Heiko Geiger und seine Firma Car Tronics in Böttingen, 80 Kilometer nach der Grenze. Seinen Angaben zufolge sind etwa 70 Prozent seiner Kunden Schweizer. Je nach Modell sind bei ihm für den gewünschten Kilometerstand ab 60 Euro fällig, bei einem Ferrari kann die Mauschelei auch 1800 Euro kosten.

Manipulation lohnt sich für Händler
Auch die Memminger Firma Chipteam kann über einen Mangel an Kunden aus der Schweiz nicht klagen. Obwohl hiesige Wagenbesitzer und Gebrauchtwagenhändler nach der Grenze noch rund 250 Kilometer fahren müssen, um die Zähler ihrer Wagen verändern zu lassen, stammt jeder zweite Kunde aus der Schweiz.

Dass sich die deutschen Tachofüchse über so viel Schweizer Kundschaft freuen können, liegt vor allem an der rechtlichen Grauzone, in der sich Tachotuner hierzulande bewegen: In Deutschland hat der Bundesgerichtshof einen Entscheid gefällt, der das Manipulieren des Tachostands für legal erklärt, sofern bei einem Verkauf kein Mehrgewinn erzielt wird.

In der Schweiz dagegen fehlt ein entsprechender Bundesgerichtsentscheid. So besteht für jeden, der solche Dienste anbietet, potenziell die Gefahr, der Beihilfenschaft, wenn nicht gar des Betrugs schuldig gesprochen zu werden.

«Die Schweizer sind einfach zu ängstlich, um das Geschäft hier aufzuziehen», sagt Dirk Müller. Seine Motorsport GmbH, eine im nidwaldnerischen Stansstad beheimatete Vertriebsniederlassung für einschlägige Tuningsoftware, wird die Produkte in der Schweiz nur schwer los. «So gehen die Schweizer eben für einen neuen Tachostand nach Deutschland.»

«Ich gehe davon aus, dass diese Art von Kilometerzählermanipulation eher von Occasionshändlern als von Privatpersonen vorgenommen wird», sagt Peter Wehrlin vom Thurgauer Strassenverkehrsamt. Tatsächlich berichten deutsche Anbieter von Schweizer Gebrauchtwagenhändlern, die «ein-, zweimal die Woche mit jeweils drei Autos vorbeischauen». Häufig mit teuren Marken wie BMW und Mercedes, denn: «Bei denen lohnt es sich für Tachotuner wie Händler wirklich.»

Die Schweizer Autobranche will vom Problem der manipulierten Kilometermesser nichts wissen. So verweigerte der Autogewerbeverband der Schweiz gar jedwede Stellungnahme zu diesem Thema. «Wie viele Gebrauchtwagen mit falschem Kilometerstand im Handel sind, ist schwierig zu sagen. Die Dunkelziffer dürfte aber hoch sein», ist sich Prüfungsexperte Wehrlin sicher.

Anzeige