Die Vielfalt macht es wesentlich einfacher, ein falsches Tarifmodell zu wählen statt das individuell beste und günstigste. Es gibt in der Schweiz zwar nur drei Mobilfunk-Netzanbieter. Die bieten aber gut zwei Dutzend Vertragsmodelle an, die aufgrund unterschiedlicher Gebührenstrukturen nur schwer zu ordnen sind.

Diese Verwirrung spiegelt sich auch darin, dass in der Schweiz immer noch eine enorme Anzahl von Mobiltelefonen mit Prepaid-Karten betrieben wird. Vor ein paar Jahren mag die Vorauskasse praktisch gewesen sein. Ohne Vertrag und ohne nähere Datenangaben konnte man gleich um die Ecke ein Handy mit Karte kaufen und drauflostelefonieren. Nachdem man sich jetzt aber auch beim Kauf eines Prepaid-Handys registrieren lassen muss, ist das Schnee von gestern.

Für die Vorauskasse beim Mobiltelefonieren sprechen heute lediglich noch der zwanglose Vertrag und die rigorose Kostenkontrolle. Man darf jederzeit kündigen, doch nur so viel telefonieren, wie man es sich auch leisten kann – die Gesprächsgebühren werden ja sogleich vom gespeicherten Guthaben abgebucht. Ansonsten müssen Vorauszahlerinnen und -zahler nur Nachteile in Kauf nehmen.

  • Höhere Tarife: Vorauskasse ist immer teurer. Zum Beispiel kostet eine Gesprächsminute zum Tagestarif in ein fremdes Netz mit dem Prepaid-Angebot Swisscom easy Fr. 1.29, mit einem Abonnement Sunrise Mobile 15 dagegen nur 55 Rappen. Unter Berücksichtigung der 15 Freiminuten genügt bereits eine Viertelstunde Gesprächszeit im Monat, um die monatliche Abogebühr von 25 Franken zu amortisieren.
  • Weniger Service: Viele Zusatzleistungen und -funktionen der Netzbetreiber (zum Beispiel MMS, Com- respektive Mailbox, Fax oder Datendienste) können von Prepaid-Handys nicht, nur eingeschränkt oder viel später benutzt werden.
  • Nutzungseinschränkungen im Ausland: Prepaid-Handys funktionieren nicht in allen Ländern der Welt.
  • Schlechteres Bonushandy: Wer eine Prepaid-Karte kauft, bekommt im besten Fall ein Auslaufmodell zum Nulltarif oder zum symbolischen Preis. Beim Abschluss eines Vertrags dagegen gibt es das Traumhandy mit grossem Abschlag.
  • Keine Verbindung: Ist das Guthaben der Prepaid-Karte aufgebraucht, kann man – ausser den Notruf – niemanden mehr anrufen. Im Notfall und ohne Ersatzgebührenkarte zum Nachladen kann das zum Problem werden.
  • Keine Tarifoptionen: Je nach Telefonnutzung können mit Tarifoptionen (siehe Artikel zum Thema «Mobiltelefone: So klingelts in Ihrem Portemonnaie») Aborechnungen gedrückt werden. Solche Optionen gibts bei Vorauskasse nicht.


Nur für gelegentliche Telefonierer


Vorauskasse rechnet sich also lediglich für Leute, die sehr wenig telefonieren oder ausschliesslich angerufen werden. Wem eine 30-Franken-Gebührenkarte im Monat nicht reicht, fährt mit einem Abo in der Regel günstiger und sollte seine Bindungsängste hinterfragen.

Kalkuliert man das modernere Bonushandy mit ein, gilt das sogar für weit geringere Beträge, weil die Abogebühren durch den Rabatt beim Telefonkauf oft amortisiert werden.

Quelle: Ursula Meisser
Anzeige