Kerzenlicht schafft eine heimelige Atmosphäre. Das dachte sich auch Manuel Bernhard, 59, aus Oberrieden ZH und zündete an fünf Abenden zwei geschenkte Kerzen an. Daraufhin bemerkte er in der ganzen Wohnung eine ölig-klebrige, gräuliche Substanz, er selber hatte schwarze Finger und beim Husten einen schwarzen Auswurf.

Hergestellt hat die besagten Kerzen die Herzog AG in Sursee. Geschäftsführerin Monika Felder weist jede Verantwortung von sich: «Entweder hat der Kunde die Kerzen falsch abgebrannt, oder es handelt sich um ‹Black Magic Dust›.» Dabei werden Wände, Decken und Einrichtungsgegenstände innerhalb von Tagen von einem schwarzen Schmierfilm überzogen. Das Phänomen ist noch nicht restlos geklärt. Man vermutet als Ursache sogenannte schwerflüchtige organische Verbindungen aus Produkten, wie sie bei Renovierung oder Neubau von Wohnungen eingesetzt werden.

Mit ihrer Erklärung macht es sich die Herzog AG jedoch zu einfach. Denn im Fall von Manuel Bernhard kamen Experten zu einem anderen Schluss. Ein Bericht der Laborfirma Simec AG hält fest: «Im Vergleich zu handelsüblichen Kerzen verursachen die Kerzen (gemeint sind die beiden Kerzen der Herzog AG) deutlich mehr Russ.» Auch die Firma Bau- und Umweltchemie AG urteilte, dass die Kerzen «als starker Russlieferant die schwarzen Russablagerungen hauptsächlich auslösten».

Manuel Bernhard wird wieder heimelige Kerzen anzünden - allerdings nicht mehr solche der Herzog AG.

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