Als Beat Riedweg an diesem heissen Nachmittag frisch geerntete Kürbisse aufs Holzregal legt, erinnert er sich daran, wie alles angefangen hat. «Schon als kleiner Bub hatte ich einen eigenen Garten, wo ich Kürbisse anpflanzen konnte», sagt der 30-jährige Biobauer aus Schongau LU. Um seine stolze Ernte zu präsentieren, stellte er das Gemüse jeweils auf dem Brunnen am Strassenrand aus. Eines Tages stoppte ein Auto, ein Mann stieg aus und fragte, ob man die Kürbisse kaufen könne. «Da hat es bei mir Klick gemacht», sagt Riedweg. «Ich merkte, dass ich mit meiner Ware auch Geld verdienen kann.»

Gut 20 Jahre später führt Riedweg mit seiner Frau Désirée einen Hofladen mit Vollsortiment. Im Lokal neben dem Stall liegen Gemüse, Beeren und Früchte; es stapeln sich Käse, Joghurt, Butter; im Gefrierschrank gibts abgepacktes Fleisch. Dazu Honig, Eier, Baumnüsse und viel Selbstgemachtes wie Konfitüre, Sirup oder Tomatensugo, am Wochenende auch Brot und Zopf. Die meisten Erzeugnisse stammen vom eigenen Hof, der Rest wird von befreundeten Landwirten und vom Bio-Grossisten zugekauft. So gibt es auch Kosmetika, Bücher, Waschmittel und gar WC-Papier. Der Laden funktioniert in Selbstbedienung, die Kunden wägen die Ware selber ab und legen den geschuldeten Betrag in die Kasse. Oder sie haben bei Riedwegs ein Guthaben angelegt: Sie zahlen 100 Franken ein und schreiben ihre Einkäufe auf, bis das Geld aufgebraucht ist.

«Wir haben mit diesem System fast nur gute Erfahrungen gemacht», sagt Beat Riedweg, während er die Kürbisse mit Preisschildchen beklebt. Ein Blick auf die Pinnwand neben der Kasse zeigt die Aufrichtigkeit der Einkaufenden: «Hatte heute kein Kleingeld, komme nächste Woche vorbei», hat jemand auf einen Zettel geschrieben. Und wenn unbekannte Kundschaft auftaucht, gehen Riedwegs meist in den Laden und beraten. «Das Schönste an meiner Arbeit ist, dass ich vom Säen bis zum Verkaufen den ganzen Kreislauf miterleben kann», sagt Beat Riedweg, der heute mit seiner Ware auch auf den Markt fährt und einen Bioladen beliefert.

«Viele Leute kommen von weit her»
Hofläden sind im Trend. Laut dem Schweizerischen Bauernverband ist der Direktverkauf stark zunehmend das reicht von der Apfelkiste an der Strasse über den Hofladen bis zum Schlachtfleischversand oder dem Stand auf dem Wochenmarkt. Allein zwischen 2003 und 2005 ist die Anzahl der Höfe mit Direktverkauf von 11'800 auf 13'200 geklettert. Schätzungen gehen davon aus, dass heute jeder fünfte Landwirt seine Waren auch direkt absetzt.

Die Familie Riedweg setzt vor allem auf ihren herbstlichen Verkaufsschlager: die Kürbisse, von denen sie bis zu 70 Sorten anbaut. «Viele Leute fahren von weit her, nur um bei uns Kürbisse zu kaufen», erzählt Désirée Riedweg. Sind die Kunden unschlüssig, helfen die Bauersleute mit Kochtipps weiter: Wie wird aus einem orangen Knirps eine Suppe (siehe Rezept)? Wie füllt man Rondini-Kürbisse mit Hackfleisch? Was lässt sich aus einem Spaghettikürbis kochen? Beat Riedweg gibt sein Wissen gerne weiter. «Ich mache heute mit den Kürbissen pro Saison rund 10'000 Franken Umsatz», sagt er. Insgesamt aber werfe der Direktverkauf nur so viel ab, dass die Familie knapp über die Runden komme.

Tatsächlich sind Hofläden in der Regel keine Goldgruben. Mit Direktverkauf erzielen Schweizer Landwirte nur etwa zwei Prozent ihres Gesamtertrags, der Verkauf an Grossabnehmer ist vor allem für grössere Betriebe noch immer lukrativer.

Doch ein Hofladen hat ein unschlagbares Plus: Er kann zum sozialen Treffpunkt werden. Dies ist etwa bei Familie Sierts-Braun in Wollishofen am Rand von Zürich der Fall. Ihr Laden ist viermal die Woche bedient geöffnet. Dazu gehören auch ein Kaffee- und Süssmost-Ausschank und ein Sandkasten für die Kinder. Zudem können diese viele Tiere beschnuppern: Kühe, Schweine, Kaninchen, Hühner. «Viele Stammkunden aus dem Quartier kommen jede Woche», erzählt Barbara Braun, die den Laden seit 14 Jahren führt.

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Eine Bereicherung fürs Quartier
Gut verkaufen sich die eigenen Tomaten, Feigen und Eier; Obst, Gemüse, Brot, Käse und weitere Bioprodukte lässt die 45-Jährige von benachbarten Betrieben zuliefern. Bald kommen auch die ersten Kürbisse vom Biohändler. Eines Tages möchte Braun ein grosses Kürbisfeld anlegen und ihr Sortiment erweitern, zudem schwebt ihr ein Wochenrezept vor, das sie der Kundschaft samt Zutaten abgeben könnte. «Aber das braucht alles viel Zeit, und die habe ich grad nicht», sagt sie lachend.

Draussen vor dem Laden toben die Kinder, während die Erwachsenen einen Schwatz halten. Myriam Spengler, 33, ist mit ihrer Tochter Elin, 2, auf den Hof gekommen. Sie kauft regelmässig im Hofladen ein, «weil man weiss, woher die Sachen kommen, und die Qualität wirklich besser ist». Der Laden sei eine Bereicherung fürs Quartier, sagt Dani Bless, 44, der mit seiner dreijährigen Tochter Lilly Milch, Rüebli und Mangos eingekauft hat. «Man trifft andere Mütter und Väter und kann sich mit ihnen austauschen.» Als Treffpunkt ist der Direktverkauf so beliebt, dass manche Kunden noch lange im Garten sitzen bleiben, wenn Barbara Braun mittags um halb zwölf Uhr den Laden schliesst.

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Sämige Kürbissuppe Rezept für vier Personen
Zwiebel fein hacken.
1 Lauchstange in Ringe schneiden.
1 Esslöffel Olivenöl in Pfanne geben, Zwiebel und Lauch andünsten.
600 Gramm Kürbisfleisch (z.B. oranger Knirps) geschält, entkernt und in Würfel geschnitten beigeben.
200 Gramm Kartoffeln (mehlig kochend) geschält und klein geschnitten beigeben.
6 Deziliter Gemüsebouillon dazugiessen, 20 bis 30 Minuten kochen, dann pürieren.
Salz und Pfeffer Salz und Pfeffer
Tipp: Bei jedem Teller einen Klacks Rahm oder Crème fraîche obendrauf geben.