Mit immensem Werbeaufwand und der in hautenges Leder gezwängten Vize-Miss-Schweiz auf Plakatwänden tritt Labuyla an. Zu ersteigern gibt es Hunderte von nagelneuen Geräten wie Spielkonsolen, Digitalkameras oder Insektenvernichter. Wer mitbieten will, muss Gebote kaufen, für je 95 Rappen. Der Clou: Jedes Gebot senkt den Preis des Artikels um 50 Rappen. Erst dann sieht man den aktuellen Preis. Den Zuschlag erhält, wer sich als Erster zum Kauf entscheidet. Jeder Mitbieter muss somit laufend entscheiden, ob er zuwarten, mit eigenen Geboten den Preis weiter senken oder zuschlagen will. Dass die Ware im Schnitt deutlich billiger ist als im Handel, ist nur möglich, weil auch die leer ausgegangenen Bieter für ihre Gebote bezahlen müssen.

Ähnlich funktioniert Psychoauction. Die Versteigerung beginnt hier bei null, jedes Gebot erhöht den Preis um lediglich einen Rappen. Die ersten drei Gebote sind gratis, alle weiteren kosten zwischen Fr. 1.18 und Fr. 1.41. Je länger die Auktion dauert, desto mehr nimmt Psychoauction ein.

Hohe Gewinnspannen

Ein Beispiel: Ein neues Mac-Notebook wurde für Fr. 69.59 versteigert, es gingen also 6959 Gebote ein. Maximaler Erlös: 6959 x Fr. 1.41 = 9812 Franken minus Ladenpreis des Notebooks (1299 Franken) macht einen Bruttogewinn bis zu 8513 Franken. Gegenüber dem Beobachter sagt Psychoauction-Betreiber Nicolas Dickreuter, dass «lediglich 10 bis 40 Prozent der abgegebenen Gebote bezahlt» seien, weil zusätzliche Gratisgebote erhält, wer neue Kunden anwirbt. Selbst bei nur einem Viertel bezahlter Gebote verblieben ihm bei diesem Notebook immer noch rund 1150 Franken Gewinn. Ex-Banker Dickreuter, der beim Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers seinen Job verlor, betont aber, dass es auch unrentablere Beispiele gebe.

Fragt sich nur, warum Tausende bei der vermeintlichen Schnäppchenjagd mitmachen. Psychoauction nutzt einen psychologischen Effekt: Man hat bereits viel Geld ausgegeben, darum will man unbedingt den Zuschlag erhalten. Also bietet man weiter. Oft stundenlang, denn viele Kunden nutzen die «Autobid»-Funktion, die automatisch kurz vor Auktionsende mitbietet und so die Auktion verlängert. Das freut am Ende immer nur einen: den Anbieter der Auktion.

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