Wäre Edith Betschart aus Oberaach TG bewusst gewesen, worauf sie sich einlässt, hätte sie die Finger vom Geschäft gelassen. Die alleinstehende Mutter dreier erwachsener Kinder brauchte im Herbst 2004 ein neues Auto, und weil sie zuvor vier Jahre lang ein Fahrzeug geleast hatte, entschied sie sich wieder für ein Leasing. Diesmal sollte es ein Ford Focus sein, Neuwert rund 30'000 Franken, mit Spezialrabatt 26'000 Franken. Im Leasingvertrag wurde die Monatsrate auf 350 Franken fixiert, die Laufzeit auf vier Jahre. Dann, kaum war der Vertrag unterzeichnet, passierte es: Unvorhergesehene Ausgaben schneiten ins Haus, das Budget der KV-Angestellten geriet aus dem Lot. Nun drängte sich eine Überprüfung des Leasingvertrags auf, um mögliche Einsparungen oder gar einen Ausstieg abzuklären. «Da kam mir die Beobachter-Aktion gerade recht», sagt die Abonnentin.

Kein Auto für jedes Budget
Der Fall ist eines von rund 40 Beispielen, mit denen das Beobachter-Beratungsteam kürzlich konfrontiert war. Bei der Leseraktion von Ende Oktober in der Autobahnraststätte Würenlos AG (siehe Artikel zum Thema «Autoleasing: Geraten Sie nicht unter die Räder!» sowie «Leasing: Mit Vollgas in die Schuldenfalle») zeigte sich, dass «alle Leasingverträge Mängel aufweisen», wie Beobachter-Expertin Gabriela Baumgartner bilanziert. So fehlt es oft an einer seriösen Kreditfähigkeitsprüfung, in anderen Fällen enthält das Kleingedruckte unzulässige Fallstricke. Zum Beispiel dürfen bei einem vorzeitigen Rücktritt die Leasingraten nachträglich nicht derart stark steigen, dass sich das Auto wie durch Zauberei um ein paar tausend Franken verteuert.

Edith Betschart holt die Unterlagen hervor und legt sie dem vom Beobachter beauftragten Anwalt Urs Christen vor. Dieser sucht und sucht - doch eine Kopie der Kreditfähigkeitsprüfung kommt nicht zum Vorschein. Im Gespräch mit der Ratsuchenden zeigt sich, dass die Bank, in diesem Fall die Credit Suisse, die Prüfung vermutlich zu oberflächlich durchgeführt hat. «Hat man Sie gefragt, wie viel Ihre Miete brutto kostet und wie viel Sie für die Krankenkasse bezahlen?», will Christen wissen. Die Betroffene schüttelt den Kopf. Christen meint, dieses Manko sei bereits «ein erster Ansatz, um den Vertrag anzufechten». Denn seit dem Inkrafttreten des neuen Konsumkreditgesetzes 2003 gilt: Wird ein Wagen für private Zwecke geleast und kostet er nicht mehr als 80'000 Franken, ist der Vertrag unter Umständen ungültig, falls er Mängel aufweist.

«Ein häufiges Übel»
Allmählich dringt Anwalt Christen zum Herzstück des Vertragswerks vor: zum Kleingedruckten. Dieses ist in einer derart kleinen Schrift verfasst, dass es Christen sogar mit der Lesebrille kaum entziffern kann. Die Leasingnehmerin macht auf einen Punkt aufmerksam, der ihr besonders stossend erscheint: «Sogar im Todesfall könnte ich nicht vom Vertrag entbunden werden», sagt die Thurgauerin. Stutzig wird der Jurist auch angesichts des Kaufvertrags, der beiliegt: Wie so oft hat der Garagist zuerst mit der Kundin den Kauf besiegelt, bevor er die Finanzierung per Leasing einfädelte. Denn im Vertrag kann er sich eine Strafe von 20 Prozent des Kaufpreises sichern, sollte die Interessentin plötzlich zurücktreten.

«Ein häufiges Übel», kommentiert Urs Christen. Der Ratsuchenden empfiehlt er, den Vertrag mit Hilfe einer Rechtsschutzversicherung anzufechten: «Denn bis heute gibt es dazu leider noch immer keine Gerichtsentscheide.»

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