Beobachter: Ist der freie Buchpreis wirklich die grösste Sorge des Buchhandels?
Dani Landolf: Er ist nicht die einzige, aber eine grosse Sorge. Ich mag aber nicht entscheiden, ob nun freie Buchpreise die grössere Rolle spielen als der Strukturwandel, mit dem sich die Branche ­wegen der Digitalisierung und der Umlagerung in den ­Online-Handel konfrontiert sieht, oder die Euro­schwäche. Klar ist: Der Buchhandel braucht gute Rahmenbedingungen.

Beobachter: Weil er schwächelt. Allein letztes Jahr ging der Umsatz um 7,4 Prozent zurück.
Landolf: Richtig. Letztlich müssen wir aber nüchtern feststellen, dass seit der Aufhebung der Preisbindung im Mai 2007 die Umsätze in der Schweiz stärker rückläufig sind als in regulierten Märkten wie Deutschland und Österreich. Das legt den Schluss nahe, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Umsatz und Preisbindung besteht.

Beobachter: Die Ursachen für diesen Einbruch liegen aber doch vor allem beim schwachen Euro?
Landolf: Die Listenpreise gingen dadurch tatsächlich um 15 bis 20 Prozent zurück, viel stärker als der Umsatz mit 7,4 Prozent. Der Euro verstärkte den ohnehin schon negativen Branchentrend.

Beobachter: Sie sagen, fixe Buchpreise seien die beste ­Garantie für tiefe Buchpreise. Aber Kartellpreise zugunsten der Konsumenten – das gibts doch nicht.
Landolf: Weshalb kaufen denn so viele Schweizer ihre Bücher in Deutschland ein – wo die Preisbindung gilt? Tatsache ist: In regulierten Märkten wie Deutschland und Frankreich sind die Buchpreise in den letzten zehn Jahren deutlich langsamer gestiegen als der Konsumentenindex. In England dagegen, wo die Preise 1995 freigegeben wurden, sanken sie anfänglich, seither steigen sie aber deutlich schneller als der generelle Preisindex. Zudem ist in England das Geschäft mit den Bestsellern fast vollständig an die Ladenketten und die Discounter übergegangen. Die Erträge daraus fehlen dem mittleren und kleineren Buchhandel.

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Beobachter: Verschiedene Schweizer ­Buchhändler sagen aber, dass sie ganz gut mit freien Preisen ­leben können.
Landolf: Das sind vielleicht zwei von 200 Stimmen. Die grosse Mehrheit der Buchhändler sieht das völlig anders und kämpft geschlossen für die Wiedereinführung der Preisbindung. Und die Entwicklung in England zeigt ja, dass kleine Buchhandlungen überproportional stark leiden: Seit 2005 schloss jede zweite Buchhandlung, in 580 Gemeinden und Städten gibt es keine einzige mehr. Wir kämpfen dafür, dass es bei uns nicht so weit kommt.

Beobachter: Sie sagen auch, ohne fixe Preise gehe die Vielfalt verloren. Bei 5000 Schweizer Neu­erscheinungen pro Jahr eine gewagte These.
Landolf: 5000 klingt nach viel. Um die Vielfalt zu erhalten, brauchen wir aber diese grosse Breite an Titeln und Buchhandlungen, die auch unbekannte Autoren anbieten. Diese haben sonst kaum Chancen, dass ihre Bücher in den Handel kommen; das leisten Discounter nicht. Dort zählt nur, was sich gut verkauft. Genau das gefährdet die Vielfalt.