Solche Zahlen macht man gerne publik: «Kleinere Autos und kleinere Motoren sind im Trend», meldete Ende Januar Auto-Schweiz, die Vereinigung der Schweizer Automobil-Importeure. Um 28,8 Prozent hät­ten die Verkäufe bei den sogenannten «Micro­wagen» – etwa Smart oder Fiat 500 – im Jahr 2008 zugenommen: «Die Autokäufer handeln auch ohne behördliche Eingriffe und einschränkende Vorschriften immer mehr im Sinne des Klimaschutzes und der Energieeffizienz.» Und beinahe Erleichterung tönte aus den Worten, dass bei den Sport Utility Vehicles (SUV), den Geländewagen also, «in der Ober- und der Luxusklasse ein erheblicher Rückgang um 17,7 beziehungsweise 7,8 Prozent festzustellen» sei.

Das sind erfreuliche Nachrichten für die Umwelt – und für eine Branche, die sich in den vergangenen Jahren durch den Verkauf von immer mehr und immer stärkeren Geländewagen den Ruf eingehandelt hat, sich um Klimawandel und Umweltschutz zu foutieren. Da tut es gut, wenn auch ein Vertreter derjenigen Organisation Fortschritte einräumt, die sonst meist Kritik übt. «Klein- und Kleinstwagen haben in den vergangenen Jahren tatsächlich stark zugelegt», sagt Kurt Egli, beim Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) zuständig für die jährlich erscheinende ­Auto-Umweltliste, in der die jeweils umweltfreundlichsten Modelle aufgeführt sind: «Sie sind geradezu hip geworden.»

Den Grund für den Erfolg der (meist) spar­samen Flitzer sieht Egli nicht nur im gewachsenen Umweltbewusstsein oder in den zeitweise hohen Spritpreisen. Ebenso wich­tig seien die stark verbesserte Sicherheit der Klein­wagen und die Ausstattung: «Heute kann man sich ein kleines Truckli kaufen und ein goldenes Steuerrad montieren. Da muss sich keiner mehr schämen, wenn er nicht mit einem Riesenschlitten vorfährt.»

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Geländewagen bleiben beliebt

Ein etwas genauerer Blick in die Statistiken zeigt jedoch, dass die Tendenz zu umweltfreundlicheren, kleineren und effiziente­ren Autos nicht so eindeutig ist, wie die Importeure sie gerne darstellen. Selbst im Jahr 2008, als der Benzinpreis zeitweise die Zwei-Franken-Marke überschritt, entschieden sich immer noch sieben von zehn Autokäufern für einen mittelgrossen bis grossen Wagen. Von den rund 288'000 verkauften PWs waren nur 22'435 Microwagen. Im gleichen Zeitraum fuhren 34'416 Geländewagen aus den Garagen. Allein in den Kategorien «untere» und «obere Mittelklasse» ist jeder achte verkaufte Personenwagen ein SUV. Ein Jahr zuvor war es noch jeder neunte gewesen.

Spritverbrauch ist zu hoch

Dass der vielgelobte «neue Trend» zu kleine­ren Autos nur eine Seite der Medaille ist, zeigen auch die Zahlen zum sogenannten Flottenverbrauch, dem durchschnittlichen Verbrauch der neu immatrikulierten Fahrzeuge: Ende 2007 lag dieser bei 7,43 Litern pro 100 Kilometer. Gemäss einer «freiwilligen Vereinbarung» zwischen Auto-Schweiz und dem Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) sollte dieser Wert Ende 2008 bei 6,4 Litern liegen – ein Ziel, das weit verfehlt wird.

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Zwischen dem Uvek, Auto-Schweiz und den Umweltverbänden wird deshalb zurzeit darum gerungen, wie Benzinverbrauch und CO2-Ausstoss der Neuwagenflotte abgesenkt werden können. Zur Diskussion stehen verschiedene Varianten eines Bonus-Malus-Systems für Neuwagen, aber auch eine neue – die insgesamt dritte – freiwillige Verein­barung zur Absenkung von Benzinverbrauch und CO2-Ausstoss. Insbesondere bei Letzterem fährt die Schweiz immer weiter hinterher. Soeben hat die EU beschlossen, dass die immatrikulierten Neuwagen im Jahr 2020 noch maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen dürfen. Zum Vergleich: Die im Jahr 2007 in der Schweiz neu immatrikulierten Personenwagen stiessen pro Kilometer 183 Gramm aus – rund das Doppelte.

Öko-Autos: Neue Modelle sollen Verkauf ankurbeln

Überraschendes zeigt die Statistik der Automobilimporteure auch bei den Fahr­­zeu­gen mit alternativen An­triebs­systemen. Bei den Elektrohybridautos gingen die Verkäufe 2008 zu­rück – von etwas über 3200 auf gut 3100 Wagen. Susanne Wegmann, Geschäftsleiterin der Branchenorganisation «e’mobile», macht dafür vor allem das begrenzte Modellangebot verantwortlich: «2008 kam kein neues Modell auf den Markt.» Sie hofft nun auf die Neuigkei­ten im laufenden Jahr: So hätten Honda und Toyota neue Modelle angekündigt.

Geradezu dramatisch brach 2008 der Markt für erdgasbetriebene Fahrzeuge ein: von 2500 auf 1500 Stück. Auch Serge Savary, Marketingleiter der Gasmobil AG, zählt deshalb auf die angekündigten neuen Modelle. Die ersten erdgasbetriebenen Modelle mit 150-PS-Turbomotor sollen die Verkaufszahlen wieder ansteigen lassen.

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