Die Versuchung lag im Exotenfach. Tiefgefroren. Die Kängurufilets im Carna-Center Bachenbülach waren zudem ein Aktionsangebot. Stefan Meier griff zu: «Ich wollte den Kollegen etwas Beson­deres servieren.» Daheim legte sich die Begeisterung etwas. Das Känguru verschwand für fast ein Jahr im Tiefkühler.

Im April erinnerte sich Meier an das gute Stück und taute es auf. «Verpackt am: 14-04-2014», las er auf der Etikette. «Kein Problem, ein Jahr lang kann gefrorenes Fleisch ja lagern», dachte er. Doch beim Auftauen löste sich die vom Carna-Center aufgeklebte Etikette. Darunter kam eine andere zum Vorschein. Die des Produzenten in Australien. Sie offen­barte das wahre Alter des Filets: «Packed on 30-09-13». Sieben Monate älter als vom Carna-Center deklariert. Ein Versehen?

«Kunden an der Nase herumgeführt»

Meier wollte es wissen und kaufte Anfang Mai erneut ein Kängurufilet aus dem Exotenfach. Und wieder: Aus dem «Packed on 12-11-14» des Herstellers ­hatte das Carna-Center «Verpackt am: 08. 04. 2015» gemacht. Das Fleisch ist fünf Monate älter als deklariert. «Da werden die Kunden an der Nase herumgeführt», so Meier zu dieser Verjüngungskur.

Der Carna Holding, die neun Center in der Deutschschweiz betreibt, ist die Sache peinlich. «Da sind Fehler passiert. Die Etikettierung ist für den Kunden nicht klar verständlich. Dafür möchten wir uns entschuldigen», sagt der stellvertretende Geschäftsleiter Christoph Caspar. «Es war aber nie die Absicht, etwas falsch zu kennzeichnen.» Die Ursache sei eine neue Etikettiermaschine in der Filiale, die standardmässig das aktuelle Datum als Verpackungsdatum ausgebe. «Das werden wir natürlich ändern und die Angestellten entsprechend instruieren.» Zudem müsse man das Verpackungsdatum eigentlich nicht deklarieren. Das Lebensmittelgesetz fordere das nicht mehr.

Quelle: Privat
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Deklaration umgehend anpassen

«Vorgeschrieben ist nur ein Haltbarkeitsdatum», bestätigt der Zürcher Kantons­chemiker Martin Brunner. «Wer aber zusätzliche Informationen gibt, muss natürlich dafür sorgen, dass sie richtig sind. Sonst wird der Konsument getäuscht.» Das Carna-Center muss darum seine Deklaration umgehend anpassen.

Das ebenfalls angegebene Haltbarkeitsdatum scheint immerhin angemessen. Mit einem Jahr – im tiefgekühlten Zustand – geht Carna gar weniger weit als der Produzent, der für zwei Jahre einsteht. Kantonschemiker Brunner sieht daher keinen Grund für einen Rückruf. «Eine gesundheitliche Gefährdung besteht bei korrekter Lagerung auch Jahre später nicht. Der Verkäufer muss allerdings per Haltbarkeitsdatum garantieren, dass das Fleisch auch geschmacklich einwandfrei bleibt.»

Es bleibt aber ein Nach­geschmack. Warum ist denn das Ver­packungsdatum überhaupt aus dem Gesetz verschwunden? Brunner: «Viele Leute wissen nicht mehr, wie lange einzelne Lebensmittel haltbar sind. Um sie nicht mit einem Verpackungsdatum zu verwirren, hat man sich im Gesetz auf die Angabe ­eines Haltbarkeitsdatums ­beschränkt.»

Stefan Meier hat die Filets inzwischen gegessen. Es geht ihm gut.