Zum Nulltarif wollen Coop und Migros eine kombinierte Kunden- und Kreditkarte abgeben. Ein attraktives Angebot für die Kundschaft, kosten doch heute Kreditkarten um die 100 Franken pro Jahr. Was gratis ist, hat gleichwohl seinen Wert - für die Grossverteiler: Die Kundinnen und Kunden geben nämlich noch mehr von sich preis.

Genau das ist der heikle Punkt. Wenn die Daten der Bonus- und der Kreditkarte zusammengefügt werden, ergibt sich ein schärferes Profil der Kartenbesitzer - sie werden noch gläserner. «Diese beiden Datenströme müssen unbedingt getrennt bleiben», fordert der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür gegenüber dem Beobachter.

Alles kein Problem, meint Coop-Kommunikationschef Felix Wehrle: «Die Daten der Supercard und der Kreditkarte bleiben getrennt und sind nicht individuell nachverfolgbar.» Auch die Migros-Verantwortlichen versprechen vehement, dass die Daten dezentral verarbeitet würden. Um das zu kontrollieren, verlangt Thür allerdings, dass sich die Grossverteiler einer freiwilligen Kontrolle unterziehen, wie es das revidierte Datenschutzgesetz ab dem nächsten Jahr vorsieht.

Konsumenten machen mit
Gegen eine solche Massnahme hätte Coop-Sprecher Wehrle grundsätzlich nichts einzuwenden. Und Migros-Sprecherin Monica Glisenti sagt: «Bereits die Cumulus-Karte unterziehen wir einem Audit durch das Datenschutz-Gütesiegel Good Privacy.» Für dieses Label bürgt die SQS, die unabhängige Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme.

Um die Daten sauber auseinander zu halten, braucht es laut David Rosenthal, Spezialist für Informationsrecht, zwei Schutzwände: «Kredit- und Bonuskarte müssten verschiedene, nicht verknüpfte Nummern haben, und die Weiterverarbeitung der Daten ist getrennt durchzuführen.» Rosenthal glaubt, dass Migros und Coop das im eigenen Interesse tun werden. Das Problem sieht er eher bei den Konsumenten: «Ich wundere mich, welche Daten diese schon heute bereit sind preiszugeben und wie viele ohne Zögern in die Verknüpfung ihrer Daten einwilligen, wenn sie gefragt werden.»

Quelle: Archiv
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