Peinlich, dass man reingefallen ist! So denken viele, die auf Websites von Internetabzockern versehentlich ein Abo abgeschlossen haben. Umso wohltuender ist es, wenn sie im Web Ratschläge und Verhaltenstipps ebenfalls Geprellter finden.

Auf Websites wie anti-abofalle.com, verbraucher-wehren-sich.com oder vorbei-mit-abzocke.com finden sie angebliche Erfahrungsberichte. Anonyme Schreiber erzählen in einfühlsamem Tonfall, wie die Inkassoforderungen immer drängender werden und was man dagegen tun könne.

Falscher Ratschlag: Bezahlen

Seltsam nur: Nicht bloss der Schreibstil ist auf all diesen Sites der gleiche – auch der Ratschlag ist es: Bezahlen müsse man so oder so, selbst wenn man einen Anwalt einschalte. Darum lohne es sich, so schnell wie möglich eine Ratenzahlung zu vereinbaren. «Das ist, so bitter es klingt, die wirklich günstigste Möglichkeit, sich sehr viel Ärger und Frust zu ersparen, und schont den Geldbeutel», heisst es etwa.

Dieser Ratschlag ist grundfalsch. Das ist kein Zufall, denn hinter den Internetseiten stehen nicht etwa Konsumentenschützer, sondern die Internetabzocker selbst.

Es handelt sich um die AZ Web Content Ltd., die unter anderem die Website leemm.com betreibt. Sie wendet den gleichen Trick an wie jene Firmen, die eben erst den Prix Blamage erhalten haben, weil sie am meisten Beschwerden im Beobachter-Beratungszentrum auslösten (siehe Artikel zum Thema). Bei leemm.com soll man jährlich 96 Euro für eine «Sammlung hochwertigster Gutscheine» bezahlen.

Wie fühlt man sich, wenn man arglosen Internetsurfern zuerst das Geld aus der Tasche zieht und sie dann noch mit geheucheltem Mitleid, falschen Ratschlägen und erfundenen «Erfahrungsberichten» neppt? Der Direktor von AZ Web Content, Bruno Windschers, wollte dazu nicht Stellung nehmen, auch den Vorwurf der Täuschung liess er unkommentiert. Ist wohl besser so.