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InterneteinkäufeUnsicheres Swisscom-Bezahlsystem «Click and Buy»

Mit «Click and Buy» preist Swisscom für Online-Einkäufe eine Alternative zur Kreditkarte an.

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«Click and Buy» soll «sicher, einfach und schnell» sein. Sicher? Marc Marti aus Biel musste das Gegenteil erfahren, als er zwei horrende Telefonrechnungen erhielt.

Sein Nachbar, der fürs Pflanzengiessen einen Wohnungsschlüssel besass, hatte sich unter Martis Namen für das System angemeldet und 3461 Franken für Sportwetten verspielt. Dennoch beharrt Swisscom darauf, dass Marti zahlt. «Ich habe überhaupt nichts falsch gemacht, trotzdem habe ich den Schaden und den Aufwand, um den Nachbarn einzuklagen», ärgert er sich. Das Beispiel belegt: «Click and Buy» hat eine Sicherheitslücke.

Das Geburtsdatum genügt

Die Anmeldung erfolgt vom eigenen Festnetztelefon aus. Nach Angabe des Geburtsdatums erhält man per E-Mail ein Passwort. Damit kann man im Internet bei rund 7000 Anbietern einkaufen. Bezahlt wird via Telefonrechnung. Ausser dem Telefonkontakt gibt es keine Identitätsprüfung. Immer wieder registrieren sich Minderjährige; die Eltern merken es erst an der Rechnung.

Das System habe sich «in der Praxis gut bewährt», sagt Swisscom-Sprecherin Myriam Ziesack, es biete «eine vernünftige Balance zwischen Sicherheit und Einfachheit». Die Sorgfaltspflicht des Anschlussinhabers sei «vergleichbar mit einer Kreditkarte». Damit wälzt Swisscom die Risiken ab - und ignoriert, dass für eine Kreditkarte ein unterschriebener Antrag verlangt wird und diese vom Besitzer einfacher kontrolliert werden kann als ein Telefonanschluss.

Marti geht jetzt auf Nummer sicher: Er hat bei Swisscom seinen Anschluss für «Click and Buy» sperren lassen.

Veröffentlicht am 02. September 2008