Bundesrätin Simonetta Sommaruga strahlte, als das Parlament die gesetzliche Garantiefrist auf zwei Jahre verdoppelte: «Das freut mein Konsumentenherz», so die frühere Konsumentenschützerin. Doch seit die neue Regelung Anfang Jahr in Kraft getreten ist, macht sich Ernüchterung breit. Denn Fust und Interdiscount versuchten weiterhin, teure Garantieverlängerungen zu verkaufen. Sie behaupteten kurzerhand, die gesetzliche Garantie decke nur Schäden ab, die bei der Übergabe des Geräts bestanden.

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, kritisiert, dass Händler «die gesetzliche Garantie schlechtreden, um ein Zusatzprodukt zu verkaufen». Sie prüfte eine Beschwerde bei der Lauterkeitskommission. Das hat gewirkt: Die beiden Gerätehändler gewähren jetzt zwei Jahre Garantie.

Andere Händler umgehen die längere Garantiefrist weiterhin trickreich. Sie kürzen die Garantie nicht, sondern streichen sie – ganz legal, falls sie die Kunden vor dem Kauf da­rauf hinweisen.

Das führt zu teils absurden Resultaten: Wer ein iPad bei Apple kauft, erhält zwei Jahre Garantie. Wer dagegen bei Digitec bestellt, nur ein Jahr; bei Dataquest und Heiniger AG sind die Angaben sogar widersprüchlich. Sie sagen, dass sie vom Hersteller Apple auch nur ein Jahr Garantie bekämen.

Nicht im Sinne des Parlaments

Nun ist fraglich, ob die verlängerte Garantiefrist wirklich «einer der grössten konsumentenpolitischen Fortschritte der letzten Jahre» ist. So formulierte es SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer, als das Parlament ihrem Antrag folgte. Auch heute sagt sie: «Zwei Jahre Garantie sind schliesslich mehr als ein Jahr.»

Fakt ist, dass das Parlament davon ausging, die Garantieverlängerung auf zwei Jahre sei zwingend. So geht es aus dem Ratsprotokoll hervor. Leutenegger Oberholzer sagt deshalb: «Wir haben an den Grundsätzen des Gesetzes nichts geändert, sondern nur die Garantiefrist verlängert. Das Vorgehen einzelner Händler widerspricht klar der Intention des Gesetzgebers.»

Die Ausschlussregelung sei nur für Sonderfälle wie Liquidationsverkäufe gedacht gewesen. Falls der Handel nicht einlenke, müsse man aber diskutieren, ob es verboten werden müsse, Garantie­leistungen bei Neuwaren in irgendeiner Form einzuschränken.

Bis dahin gilt: Beharren Sie beim Kauf auf der zweijährigen Garantie. Akzeptieren Sie wenn möglich auch nicht die Garantiebeschränkung, dass bei Mängeln das Gerät immer repariert werden muss. Denn oft ist es vorteilhafter, wenn man ein Ersatzgerät oder den Kaufpreis zurückerstattet erhält.