«Das wird nie mehr vorkommen», sagte Jacques Nasser Anfang dieses Jahres. Der Chef des Automobilherstellers Ford musste «als Folge von Qualitätsproblemen» einen Verlust von mehr als 1,6 Milliarden Franken bekannt geben. Wiederholt waren an den Ford-Geländewagen «Explorer» die Firestone-Pneus geplatzt und die Fahrzeuge in voller Fahrt umgekippt. Über 200 Menschen verloren ihr Leben, bis die Verantwortlichen endlich einen Rückruf der Reifen starteten. Eine Tragödie für die Betroffenen – und ein Desaster für den Autohersteller. Ford und Firestone beschuldigen sich gegenseitig. Wer schuld ist, werden die Gerichte klären müssen.

«Das wird nie mehr vorkommen» – schön gesagt. Tatsache ist jedoch, dass die Zahl von Rückrufen aufgrund von Produktemängeln oder Sicherheitsproblemen in den letzten Jahren gerade in der Automobilindustrie deutlich zugenommen hat. Die Statistik der von der Eidgenössischen Fahrzeugkontrolle erfassten Rückrufe zeigt – über die letzten 20 Jahre betrachtet – eindeutig steigende Zahlen.

Jüngstes Beispiel: Der vom Hersteller BMW zum Kultobjekt stilisierte «neue Mini» musste gleich beim Verkaufsstart im September zurückgerufen und nachgebessert werden. Beim Betanken des Kleinwagens kann es zur Explosion kommen.

Doch längst nicht alle Vorfälle kommen in die Schlagzeilen. Amtlich registriert werden in der Schweiz nur jene Rückrufe, bei denen die Autoimporteure auf die Halteradressen der Fahrzeugkontrolle zurückgreifen. Das sind meist die «gefährlichen» Fälle, denn bei weniger schwer wiegenden Problemen schreiben die Importeure bloss an jene Autohalter, die sie in den eigenen Adressdateien finden.

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Gepfuscht wird in allen Branchen
Interessant sind daher die von privater Seite geführten Listen. Die Rückrufstatistik des Touring-Clubs der Schweiz (TCS) umfasst für die letzten sechs Jahre 14 eng bedruckte A4-Seiten. Und die deutsche Rückversicherungsgesellschaft GE Frankona Re zählte für den Zeitraum Januar 1998 bis August 2000 188 Rückrufe im Bereich Auto/Motorrad/Reifen.

Aber auch in anderen Branchen wird gepfuscht. GE Frankona listet nicht weniger als 50 fehlerhafte Medikamente und Kosmetika auf, dazu 94 Lebensmittel, 67 Kinderspielzeuge und 82 übrige Produkte. «Die Zahlen steigen eindeutig an», sagt GE-Frankona-Re-Chef Dieter Kohl.

Diesen Eindruck bestätigen die Fachleute des Eidgenössischen Starkstrominspektorats. Allein letztes Jahr musste die Behörde 50 Verkaufsverbote verfügen. Die getesteten Lampen, Haushalt- oder Handwerkergeräte wiesen gravierende Sicherheitsmängel auf. Mehr als jedes zehnte im vergangenen Jahr auf Herz und Nieren geprüfte Gerät wies «eigentliche sicherheitstechnische Mängel» auf, heisst es in einem Bericht. In einzelnen Fällen könne deswegen sogar Lebensgefahr bestehen, sagt Paul Schoch, Leiter der Marktbeobachtung beim Starkstrominspektorat.

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Ein Beispiel: Über 200'000 verkaufte Klemmspots (allein 4895 in der Schweiz) von Ikea entpuppten sich als gefährlich. Ein fehlerhafter Schalter der Billiglampe konnte leicht brechen und einen Stromschlag auslösen. Mögliche Folge: lebensgefährliche Verletzungen. Im Gegensatz zu anderen Firmen ist Ikea aber immerhin selbstkritisch: Schuld seien ein «Produktionsfehler» und «ungenügende interne Qualitätskontrollen», obwohl die europäischen Testnormen eingehalten worden seien. Seither werde bei Ikea jeder Schalter, jeder Stecker mechanisch getestet, versichert der Ikea-Sprecher.

Musterbeispiel für Produktemängel ist die A-Klasse, mit der Mercedes-Benz ins Massengeschäft einsteigen wollte. Seit ein schwedischer Motorjournalist das angeblich sicherste Kleinauto der Welt zu Schrott fuhr, ist das Wort «Elchtest» in aller Munde; der Wagen kippte bei abrupten Richtungswechseln einfach um. Der grosse deutsche Autokonzern musste einräumen, genau diese wichtige Überprüfung des Fahrverhaltens nicht vorgenommen zu haben.

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Natürlich gibts im konkreten Fall immer ganz spezifische Erklärungen (bei der Mercedes-A-Klasse beispielsweise der höhere Schwerpunkt), und natürlich wird jeweils sofort Abhilfe versprochen. Doch kaum ist ein Problem geklärt, stellt sich bereits das nächste. Bei Mercedes waren es erst vor kurzem 150'000 Wagen aus den Baujahren 1995 und 1996: Die Fahrer-Airbags öffneten sich ohne erkennbaren Anlass.

«Der gewöhnliche Autofahrer wird immer mehr zum Testfahrer», analysiert Fritz Dolder. Unter seiner Leitung erarbeitete das Schweizerische Institut für Betriebsökonomie eine Studie über Produkterückrufe im schweizerischen Automobilhandel. «Die Entwicklung neuer Automodelle erfolgt immer schneller. Die Produkte werden nicht mehr so gut getestet, bevor sie in den Handel kommen. Es ist eindeutig, dass dies der Hauptgrund für die immer häufigeren Rückrufe ist», so Dolder. Ist das noch verantwortbar? «Eine gute Frage», sagt Dolder. «In einigen Fällen, wo es um zentrale Dinge wie Bremsen und Lenkbarkeit geht, wurde sicher die Grenze des Verantwortbaren überschritten.»

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Die Autoren der Studie machen in erster Linie den verstärkten Wettbewerb für die Pannenserie verantwortlich. Die Firmenchefs gäben den Kostendruck an die Forscher weiter. Für die Entwicklung des ersten Golfs nahm sich VW noch 50 Monate Zeit; die vierte Generation kam bereits nach 31 Monaten auf den Markt. Die nötigen Tests «werden zum Teil in den Markt verlegt. Der Grundsatz Ðtrial and error? (ausprobieren und aus den Fehlern lernen) scheint Schule zu machen», heisst es in der Studie. Wen wunderts, dass die Arbeit in der Autobranche für Unruhe sorgte. Eine erste Fassung, in der auch die Namen der beteiligten Importeure samt der von ihnen gemachten Angaben enthalten waren, musste unter Verschluss gehalten werden. Jetzt ist eine anonymisierte Version erhältlich.

Die Geheimniskrämerei geht so weit, dass der Verband der Schweizer Autoimporteure nicht einmal die nackte Zahl der jährlichen Rückrufe bekannt geben will – geschweige denn inhaltliche Angaben darüber. «Diese Zahlen sagen wenig aus», begründet Rudolf Blessing vom Importeurenverband die Zurückhaltung. Was er nicht sagt: Gemäss einer Faustregel in der Branche ist jeder zweite Mangel auf einen Entwicklungsfehler zurückzuführen. Ein weiterer Hauptgrund ist die als «schlanke Produktion» gerühmte Auslagerung der Komponentenherstellung an Zulieferer. Diese müssen immer billiger produzieren, um konkurrenzfähig zu bleiben.

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Immer kürzere Entwicklungszeiten und immer höherer Kostendruck: Welch fatale Folgen dies haben kann, erfährt derzeit der Sulzer-Konzern. Bis Mitte 1997 liess Sulzer die künstlichen Hüftgelenke von einer Drittfirma in Texas, USA, herstellen. Dann wollte Sulzer die Produktion der Hüftschalen selber übernehmen – und strich zwei Reinigungsprozesse. Die Folge: Die Gelenke sind mit Spuren von Mineralöl verunreinigt. Die Schalen beginnen sich zu lockern, was zu starken Schmerzen führt. Tausende von Patienten mussten nochmals operiert werden. Kein Wunder, wehren sich die Geschädigten nun. «Sulzer wollte Geld sparen, mehr Prothesen herstellen und so die Gewinne maximieren – auf Kosten der Patienten», sagte der kalifornische Anwalt Tom Schultz, der rund hundert Patienten vertritt, gegenüber «Cash».

Auch andernorts wurde gespart; ein Baselbieter Ehepaar bezahlte dies mit schweren Verbrennungen. Am 8. März dieses Jahres sassen die beiden gemütlich beim Fondue, als plötzlich eine Stichflamme aus dem eben neu gefüllten Brenner hochging. Im Kanton Graubünden ereignete sich ein ähnlicher Fall; der Betroffene kam mit einer Handverletzung davon. Erst dann merkte die Importeurin Kisag AG, dass mit ihren Universal-Gasdosen zum Auffüllen von Fonduebrennern und Feuerzeugen etwas nicht stimmen konnte.

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Beim Füllen bestehe die Gefahr, dass das Ventil eingedrückt werde und sich die gesamte Dose sofort entleere, sagt Kisag-Geschäftsleiter Urs Brüngger. Der holländische Lieferant hatte plötzlich ein billigeres, weniger druckresistentes Ventil einbauen lassen. Gibts im gleichen Raum eine andere Zündquelle, zum Beispiel eine Kerze, besteht akute Brandgefahr. Eine Serie von 49'716 Dosen musste deswegen dieses Jahr zurückgerufen werden. In die Läden zurückgebracht wurde bisher aber erst gut ein Viertel – der Rest ist laut Kisag noch immer in Umlauf.

Kaputte Reifen, verdreckte Gelenke, explodierende Gasdosen – nur eine Häufung unglücklicher Zufälle? In einer einzigen Septemberwoche verbreitete die internationale Nachrichtenagentur Reuters neun Produkterückrufe, fünf davon betrafen die Autobranche: 20'782 Miniwagen von Honda konnten wegen einer kaputten Benzinleitung Feuer fangen; bei 16'103 A4-Modellen von Audi versagten wegen eines Zündungsproblems die Scheibenwischer; 778'000 «Windstar»-Minivans von Ford verfügten über ein löchriges Scheibenwischersystem, was wegen des eindringenden Wassers zu überhitzten Motoren führte; bei Jaguar-Autos der X-Baureihe funktionierte der Auspuff nicht richtig; und bei einer unbekannten Anzahl Saab-Cabrios öffneten sich die Airbags bei kaltem und trockenem Wetter von selbst.

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Die weiteren Rückrufe betrafen: australische Gasöfen, deren Bestandteile nicht hitzebeständig waren, Nokia-Modems, die bei den Benutzern einen Elektroschock auslösen konnten, amerikanische Hamburger Brötchen, die sich als allergieauslösend entpuppten, und asiatische Erdnüsse, in denen sich Salmonellen fanden. Von den meisten Rückrufaktionen erfährt die schweizerische Öffentlichkeit allerdings gar nichts. Denn im Gegensatz zu verschiedenen anderen Ländern ist es bei uns gesetzlich nicht vorgeschrieben, Rückrufe öffentlich bekannt zu geben.

Mängel werden oft schöngeredet
In Deutschland beispielsweise melden die Autohersteller ihre Rückrufe von sich aus der Presse. «Das wäre auch hierzulande längst fällig», sagt Johanna Zweifel, Geschäftsführerin des Konsumentenforums. Tausende beschweren sich beim Beobachter-Beratungszentrum und bei den Konsumentenschutzorganisationen über tatsächliche oder vermeintliche Produktemängel. «Erst vor kurzem riefen mehrere Leute an, weil sie in ihrem Wagen ein ganz bestimmtes Bremsproblem festgestellt hatten», sagt Johanna Zweifel. Vom Importeur seien sie aber abgewimmelt worden. «Das gibt mir schon sehr zu denken. Schliesslich geht es um die Sicherheit», so die Konsumentenschützerin.

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Einen Rückruf zu besagtem Automodell gab es bisher nicht – oder jedenfalls wurde er nicht bekannt. In den Briefen der Importeure an die Autohalter ist oft nur von einer «Serviceaktion» die Rede und nicht von einem Mangel. Dementsprechend bringen viele Autohalter ihre Wagen nicht in die Garage – weil sie gar nicht wissen, dass ihr Wagen nachgerüstet werden sollte.

Dass dies unbefriedigend ist, anerkennt sogar der Verband der schweizerischen Autoimporteure. «Wir arbeiten an einer konsumentenfreundlicheren Regelung», sagt Rudolf Blessing. Besonders eilig haben es die Importeure damit indes nicht. Im Juni versprach der Verband einen konkreten Vorschlag auf den Sommer, doch Ende September konnte Blessing noch immer nichts Konkretes darüber sagen.

Der TCS hat einen solchen Vorschlag seit langem parat. Autofahrer, Garagisten und Händler sollen Mängel bei einer unabhängigen, amtlichen Fachstelle melden können. Diese sollte dann aufgrund eigener Abklärungen die Importeure verpflichten können, einen öffentlichen Rückruf zu starten. «Es kann sicher nicht dem einzelnen Importeur überlassen werden zu entscheiden, ob ein Auto mit Sicherheitsmängeln in die Garage kommt oder nicht», erklärt TCS-Direktor Peter Riedwyl.

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«Sobald mehrmals eine Meldung über das gleiche Problem hereinkommt, sollte der Hersteller den Sachverhalt seriös abklären und sofort die Öffentlichkeit informieren», sekundiert Johanna Zweifel vom Konsumentenforum. «Wenn sich die Hersteller nicht freiwillig auf ein solches Modell einigen können, werden wir einen gesetzlichen Zwang verlangen müssen.»

Diese Forderung wurde erhört: Nach langen Jahren der Untätigkeit will jetzt der Bund endlich doch aktiv werden. Vor wenigen Wochen hat der Bundesrat einen Gesetzesentwurf über die Kontrolle der technischen Sicherheit in die Vernehmlassung geschickt. Ziel der Vorlage ist es, die bisherige «organisierte Verantwortungslosigkeit», so Bundespräsident Moritz Leuenberger, zu beheben. Konkret soll eine nationale «Sicherheitsagentur» geschaffen werden, die Vorschriften für alle Arten von Anlagen, Fahrzeugen und Geräten erlässt und überprüft. Nötigenfalls kann sie auch Massnahmen wie Rückrufe oder Verkaufsverbote verfügen.

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Vorgesehen sind drei Sicherheitsstufen: Auf Stufe eins sind die Hersteller und Betreiber selber für die Kontrolle verantwortlich, der Bund organisiert nur Stichproben. Darunter fallen zum Beispiel Haushaltgeräte. Auf Stufe zwei müssen die Sicherheitsstandards von einer unabhängigen Stelle beurteilt werden; für Autos wären dies beispielsweise die Motorfahrzeugkontrollen. Stufe drei gilt für gefährliche Anlagen wie AKWs und Staumauern. In Kraft treten werden die neuen Vorschriften aber frühestens im Jahr 2004.

Bis 40 Heilmittelrückrufe pro Jahr
Obwohl im Heilmittelbereich bereits jetzt strengere Gesetze gelten, ist auch die Pharmabranche betroffen. Jedes Jahr muss die Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel (IKS) 20 bis 40 Medikamente aus dem Verkauf ziehen. Meist handelt es sich zwar nur um einen so genannten Chargenrückruf, weil nicht das Medikament als solches gefährlich ist, sondern weil ein Teil der Produktion nicht den Vorschriften entspricht (zum Beispiel falsche Dosierung oder fehlende Packungsbeilage). Die IKS beruhigt daher: Die «grosse Mehrheit» der Rückrufe betreffe Qualitätsmängel, die «keine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit» auslösten.

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Die zwei gravierendsten Fälle der letzten Jahre betreffen die Pharmariesen Bayer und Roche: Der deutsche Bayer-Konzern musste den Cholesterinsenker «Lipobay» letzten August vom Markt nehmen, nachdem 52 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Medikament gebracht wurden. Auch in der Schweiz sind vier Personen erkrankt (Beobachter Nr. 18). Für die Betroffenen war die Einnahme von «Lipobay» ein Albtraum: Statt der erhofften Heilung kam es zu einem dramatischen Muskelzerfall; in der Packungsbeilage war von «leichten und vorübergehenden Nebenwirkungen» die Rede. Für Bayer ging über Nacht ein Milliardengeschäft verloren.

Auch das Schweizer Pharmaunternehmen Roche forderte 1998 weltweit 400'000 Patientinnen und Patienten auf, «umgehend» ihre Ärzte zu kontaktieren. Das Medikament «Posicor», eingesetzt zur Senkung von Bluthochdruck und bei Herzerkrankungen, führte zu schweren Nebenwirkungen, wenn es zusammen mit verschiedenen anderen Wirkstoffen eingenommen wurde. Es kam zum Abbau von Herzmuskulatur, schweren Herzrhythmusstörungen oder verstärkter Blutdrucksenkung. In der Schweiz registrierte die IKS zwei Todesfälle, bei denen die Einnahme von «Posicor» «möglicherweise» den Tod verursacht hat.

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Die durchschnittliche Entwicklungsdauer eines Medikaments wie auch die für die Zulassung benötigte Zeitspanne hätten sich dauernd verringert, sagt Jane Henney, Chefin der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA. Das ist schön für die Pharmafirmen und gut für jene Patienten, die dank einem neuen Wirkstoff rascher genesen – Pech hingegen, wenn dann doch gravierende Nebenwirkungen eintreten.

Jane Henney hat das Steuer herumgerissen: Nachdem die FDA im vergangenen Jahr drei bereits zugelassene Medikamente wieder vom Markt nehmen musste, weil sie schwere bis lebensgefährliche Nebenwirkungen hatten, wurde das Prüfverfahren verschärft und verlängert. Die klinischen Tests, dank denen Nebenwirkungen besser erkannt werden können, sollten deutlich verlängert werden, und zudem sollte die Zahl der Testpersonen erhöht werden, riet FDA-Chefin Henney aufgrund eines Expertenberichts. Ob es allerdings jemals so weit kommt, ist offen: Henney wurde nämlich mittlerweile von US-Präsident George W. Bush kaltgestellt.

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Hochgiftige «Suppendelikatesse»
Wie wichtig die Prüfung ist, zeigt ein Blick in die FDA-Ergebnisse: Allein in der ersten Jahreshälfte 2001 lancierte die amerikanische Gesundheitsbehörde 64 Warnungen und Rückrufe von gefährlichen Medikamenten, Lebensmitteln und Kosmetika. Beispiele gefällig? Ein Make-up-Entferner mit giftigen Bakterien, die das Augenlicht schädigen können; eine Tablette gegen Nagelentzündungen, die schwere Herz- und Leberprobleme bis hin zum Tod auslösen kann; eine vom Verkäufer als «Delikatesse in der Suppe» angepriesene Pflanze, die sich als hochgiftig herausstellte.

Auch die so genannten Naturheilmittel bleiben nicht verschont. Im Oktober letzten Jahres entzog die IKS die Verkaufsbewilligung von «Laitan» wegen gesundheitsgefährdender Wirkungen. Das Heilmittel enthielt einen Extrakt der auf Polynesien heimischen Pflanze Kava-Kava und wurde in Apotheken und Drogerien gegen nervöse Angst- und Spannungszustände verkauft. In mindestens neun Fällen kam es aber zu teils gravierenden und bleibenden Leberschäden; ein 50-jähriger Schweizer musste sogar wegen Leberversagens eine Transplantation über sich ergehen lassen. Daraufhin liess die IKS das Präparat aus den Regalen entfernen.

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Nicht einmal auf Kinderspielzeug kann man sich ungetrübt verlassen. Weltweit mehr als 330'000 Stück der Holzpyramide «Mula» gingen über die Ikea-Ladentische, 17'000 davon in der Schweiz. Doch dann nahm ein Kind die oberste, rote Kugel in den Mund. Sie blockierte die Atemwege, der fünfjährige Knabe erstickte. Ikea musste das gefährliche Teil des beliebten Spielzeugs austauschen.

Das Tragische dabei: «Mula» erfüllte alle einschlägigen technischen Normen. Ikea hat sich nach dem Vorfall für strengere Normen stark gemacht, etwa für einen grösseren Mindestdurchmesser von Holzkugeln bei Kinderspielzeugen. «Doch passiert ist nichts, die EU ist nicht auf unser Anliegen eingetreten», bilanziert Ikea-Sprecher Klaus Peter Mager ernüchtert.

«Das wird nie mehr vorkommen», sagte Ford-Chef Nasser Anfang Jahr zu den Produktemängeln. Mitte Juli musste Ford allerdings erneut 1,4 Millionen Wagen zurückrufen. Grund: Die Sicherheitsgurten in Autos des Baujahrs 2001 sind mangelhaft. Im August stellte Ford fest, dass bei «Mondeo»-Modellen mit Tempomat der Geschwindigkeitsregler fehlerhaft ist. Und im September wurden bei 778'000 Minivans löchrige Scheibenwischersysteme gefunden. Fortsetzung folgt?

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