Seit Monaten ist der Euro im Sinkflug: Ende 2009 lag er bei Fr. 1.51. Am 20. Mai war er noch Fr. 1.41 wert. Mehr als zwei Drittel der Schweizer Importe kommen aus dem Euroraum. Frohe Kunde also für die Schweizer Konsumenten? Mitnichten. Sie spüren wenig vom Rückgang. Sei es beim täglichen Einkauf oder bei grösseren Konsumgütern wie dem Auto: Die Preise sind kaum gefallen.

Konsumentenschützern ist das ein Dorn im Auge: «Preisaufschläge, etwa wenn die Rohstoffpreise steigen, werden in der Regel sehr schnell weitergegeben. Preisabschläge nicht oder nur sehr verzögert», ärgert sich Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz.

Der Detailhandel gibt sich bedeckt: «Wir geben Preisvorteile an die Kunden weiter, sofern wir sie haben», sagen Migros-Sprecher Urs Peter Naef und sein Kollege Nicolas Schmied von Coop unisono. Vor allem bei den Frischprodukten, deren Preise wöchentlich neu kalkuliert würden, sei das so. Doch im Non-Food-Bereich seien kurzfristige Preisanpassungen unrealistisch. Etwa weil es mit den Lieferanten Jahresverträge gebe und zum Teil grosse Lagerbestände vorhanden seien.

Doch offenbar beginnen nun auch die Detailhändler, um die Preise zu feilschen. Seit Anfang März thematisiere Coop bei den Lieferanten den tiefen Euro. Ein zähes Ringen. «Je länger der Euro tief bleibt, desto höher sind die Chancen, Preisreduktionen auszuhandeln», lässt Coop einzig durchblicken.

Fliessen die Währungsvorteile also in die Taschen der Importeure und Lieferanten? Mehrere vom Beobachter angefragte Firmen dementieren das nicht, wollen aber nicht konkret Stellung nehmen. Die Währung sei nur ein Faktor in der komplexen Preisgestaltung, heisst es. Zudem seien die Preise auch nicht erhöht worden, als der Wechselkurs stieg.

BMW Schweiz fügt noch an: «Offiziell wird es keine Preisänderungen geben. Inwiefern die Wettbewerbssituation dazu führen wird, dass Kunden von Kursveränderungen profitieren, ist noch nicht abzuschätzen.» Will heissen: Der Kunde dürfte mehr Verhandlungsspielraum haben. Und: Senkt die Konkurrenz die Preise, ziehen die andern nach. Diese Regel gilt nicht nur bei den Autohändlern. Somit darf man gespannt sein, wer den ersten Schritt macht. Bis dann gilt, was die Stiftung für Konsumentenschutz sagt: «Die Marge bleibt hoch und wird zusätzlich mit einem vorteilhaften Umrechnungskurs gespeist.»

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