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SpartippsMehr Geld für alle

Gegen die Verführungskünste der Marketingstrategen hilft nur eins: rigorose Ausgabedisziplin.

Überall will man uns das Geld aus der Tasche ziehen. Wer clever handelt, holt mehr für sich raus. Wir sagen, wie.

von und

Immer wieder geben wir Geld aus für Dinge, die wir nicht brauchen. Denn Marketingfachleute können auf einen mächtigen Verbündeten zählen: unser evolutionäres Erbe. «Der Mensch sucht das Neue. Er ist immer noch der Jägertyp, der herumschweift und sich nach Brauchbarem umschaut. Das Neue ist reizvoll, das Gewohnte ist langweilig», sagt Sparexperte und Buchautor Friedhelm Schwarz.

Wer sein Geld effizient einsetzen will, sollte sich deshalb stets die Grundregel des Wirtschaftslebens vor Augen halten. Hersteller und Händler tun gern so, als möchten sie uns Verbraucher glücklich und zufrieden machen. Schön wärs. Experte Schwarz spricht Klartext: «Niemanden interessiert unser Glück – sondern nur unser Geld. Im Geschäftsleben wollen alle mehr bekommen, als sie geben.»

Man kann sich durchaus selber bremsen

Gegen die Verführungskünste der Marketingstrategen hilft nur eins: rigorose Ausgabedisziplin. Beobachter-Leser Michael Schärrer aus Thun macht es vor. Der Detailhandelsfachmann schafft es, jeden Monat von seinem Lohn noch 480 Franken auf die Seite zu legen. Dazu bedient er sich einiger Tricks. Der wichtigste: möglichst keine EC- oder Kreditkarten benutzen, sondern alles bar bezahlen. «So habe ich ein viel besseres Gespür für meine Ausgaben», sagt Schärrer. Fixe Ausgaben wie Miete oder Telefonrechnung bezahlt er unmittelbar nach Überweisung des Lohns. «Und ich hebe praktisch immer denselben Betrag von meinem Konto ab und achte darauf, wie lange das Geld reicht.» Wenn sich die Zeitabstände zwischen den Bezügen verkürzen, könne er nach den Gründen suchen und reagieren.

Nach Möglichkeit versuche er, Aktionen und Grosspackungen einzukaufen. Ein Sparfundamentalist aber ist Schärrer nicht. Von Zeit zu Zeit gönnt er sich ein «Goodie», wie er sagt, ein Erstklassbillett im Zug oder eine teurere Ferienreise: «Das animiert mich dann erneut zum Sparen, um mir wieder einmal Ähnliches leisten zu können.»

Von Sparexperte Friedhelm Schwarz erhält Schärrer gute Noten: «Bar zahlen ist eine ausgezeichnete Methode, um unnötige Ausgaben zu vermeiden. Wir trennen uns ungern von Banknoten und Münzen.» Vorbehalte äussert er jedoch gegenüber Grosspackungen. Diese sind manchmal sogar teurer – auch das ein Kniff der Anbieter.

Fr. 480.- pro Monat spart Michael Schärrer aus Thun.
Quelle: Marco Zanoni

Eine Mahlzeit für eine halbe Stunde Arbeit

Beim Essen das Sparpotenzial generell kleiner als oft gedacht. Vor 100 Jahren war die Hälfte unseres Haushaltsbudgets für Nahrungsmittel und Getränke blockiert, heute verschlingt dieser Posten nur mehr 12 Prozent. Laut der Denkfabrik Avenir Suisse musste man damals durchschnittlich 27 Minuten arbeiten, um einen Liter Milch zu «verdienen» – heute noch drei. Eine Mahlzeit war einst mehr als drei Stunden Arbeit wert, heute knapp eine halbe.

«Am meisten spart man heute bei der Ernährung, wenn man die auswärtige Verpflegung einschränkt», sagt Claudia Fanara von der Budgetberatung Frauenverein Muttenz und Frauenplus Baselland. «Auch Gipfeli und Pausenkaffee läppern sich zusammen.» Sie ist spezialisiert darauf, vermeidbare Ausgaben aufzuspüren. In ihre Sprechstunde kommen Leute aller Einkommensklassen.

Versicherungen wechseln lohnt sich

Etwa Beobachter-Leserin Bettina Konetschnig. Die alleinerziehende Kommunikationsfachfrau lebt mit ihren zwei Kindern in Zürich und verdient gut. «Ich fragte mich, ob ich für bestimmte Dinge vielleicht zu viel Geld ausgebe», sagt sie. Beraterin Fanara durchforstete das Budget der Konetschnigs – und wurde fündig: 2000 Franken im Jahr können sie mit einem Kassenwechsel sparen.

«Ein Klassiker», sagt Fanara. «Ich empfehle jedem, jedes Jahr die günstigste Prämie auf Priminfo.ch zu recherchieren. Viele Versicherte geben hier immer noch zu viel Geld aus.» Gemäss einer aktuellen Umfrage des Vergleichsportals Bonus.ch könnte jeder Zweite jährlich über 500 Franken sparen, wenn er die für ihn günstigste Versicherung wählen würde.

Fr. 170.- spart Bettina Konetschnig aus Zürich.
Quelle: Marco Zanoni

Die 10 Spar-Regeln beim Shoppen

  1. Erst denken, dann einkaufen. Kaufen Sie nur, was Sie wirklich brauchen. Das gilt auch bei Aktionen und für den Ausverkauf.
  2. Erst essen, dann einkaufen. Gehen Sie nie hungrig in den Supermarkt.
  3. Einkaufszettel schreiben. Notieren Sie sich, was Sie einkaufen wollen. So vergessen Sie nichts und verhindern unnötige Zusatzkäufe.
  4. Preise vergleichen. Vergleichen Sie Angebote verschiedener Anbieter. Hinterfragen Sie Rabatte.
  5. Informieren Sie sich vor einer grösseren Anschaffung. Klären Sie ab, was das Produkt genau können muss.
  6. Der Preis sagt nichts über die Qualität. Auch Billiglinien können befriedigen.
  7. Nicht unbedingt Grosspackungen kaufen. Sie sind häufig sogar teurer als normale. Zudem kauft man mehr, als man braucht – vor allem. Aktionen
    lohnen sich besonders bei nicht verderblichen Waren.
  8. Nur der Endpreis zählt. Bei Einkäufen im Internet kommen oft Versandkosten, Kleinmengenzuschläge oder Verzollung dazu.
  9. Kaufen Sie bei Aktionen nur Produkte, die Sie auch regulär kaufen würden. Schauen Sie auch bei sogenannten Rabattportalen genau hin.
  10. Sparen lohnt sich dort, wo der Preis hoch ist.

Selbsttest und Forum

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Download und weitere Infos

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Mit unserer Excel-Tabelle ist es ganz einfach, Einnahmen und Ausgaben einander gegenüberzustellen – Sie tragen nur die Zahlen ein, den Rest macht die Tabelle: Budget-Tabelle (Download Excel-Dokument 23 kb)

Das Sparpotenzial im Budget entdecken
Die Schweizer Budgetberatungsstellen bieten Budgetvorlagen und individuelle Beratung für alle Einkommensklassen. Ein Beispiel, wie ein Doppelverdienerpaar mit drei Kindern 1300 Franken im Monat spart, können Sie hier anschauen

Weitere Infos
Budgetberatung Schweiz: www.budgetberatung.ch
Dr. Budget (Spartipps und mehr): www.facebook.com/Dr.Budget

Veröffentlicht am 26. November 2014