Beobachter: Seit der Liberalisierung sind die Tarife drastisch gefallen, trotzdem sind immer mehr Telekomkunden unzufrieden. Woran liegt das?

Peter Fischer: Die Tarife sind zwar klar gesunken, und die Kunden profitieren davon. Ich vermute aber, dass die Kundschaft mit der Liberalisierung anspruchsvoller geworden ist – zu Recht. Kommt hinzu, dass die neuen Anbieter am Anfang sicher noch nicht voll gerüstet waren für den Ansturm.

Beobachter: Auch bei der früheren Monopolistin Telecom stand längst nicht alles zum Besten. Machen es die neuen Anbieter besser?

Fischer: Es gibt kein statistisch relevantes Material dazu, und ich will auch nicht einzelne Anbieter bewerten. Man kann aber sicher feststellen, dass nicht nur die Preise gefallen sind, sondern dass auch zahlreiche neue Dienstleistungen angeboten werden, die offensichtlich einem Bedürfnis entsprechen. Die detaillierte Rechnungsstellung ist ein Beispiel dafür.

Beobachter: Was raten Sie einer Kundin, die glaubt, ihre Telefonrechnung sei zu hoch?

Fischer: Auf jeden Fall muss sie sich eine Rechnung beschaffen, auf der jedes einzelne Gespräch aufgeführt ist. Zudem sollte sie Anhaltspunkte dafür sammeln, warum sie eine bestimmte Nummer zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht angewählt haben kann. Dieses Material kann sie dann der Telefongesellschaft unterbreiten.

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Beobachter: Und wenn der Telekomanbieter nicht auf die Reklamation eingeht?

Fischer: In letzter Instanz bleibt nur der Weg zum Zivilrichter. Dann muss der Anbieter nachweisen, dass die strittigen Gespräche tatsächlich geführt worden sind.

Beobachter: Wenn es zu einem Prozess kommt, stehen aber die Chancen des Kunden eher schlecht. Nur die Gegenseite kann ja beweisen, dass an den Leitungen manipuliert wurde.

Fischer: Technisch ist dies vielfach wohl auch gar nicht nachweisbar. Ich kenne zu wenig Gerichtsurteile zu Telefonrechnungen, um einschätzen zu können, ob diese Vermutung zutrifft. Ich gehe aber davon aus, dass die Gerichte berücksichtigen, dass die Anbieter die wesentlich besseren Voraussetzungen haben, was die technischen Grundlagen anbelangt.

Beobachter: Warum gibt es in der Schweiz – anders als etwa in Österreich – keine unabhängige Schlichtungs- oder Ombudsstelle?

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Fischer: Das wurde im Zusammenhang mit dem neuen Fernmeldegesetz diskutiert. Dabei war man der Meinung, dass es den Anbietern freisteht, eine solche Stelle zu schaffen, wie sie beispielsweise in der Versicherungs- oder der Reisebranche mit Erfolg betrieben wird. Das Bakom als Aufsichtsorgan würde das sicher begrüssen, wird aber im Moment nicht selber aktiv.