Die Tonerpatrone, die in einer Basler Anwaltskanzlei eintraf, war bestens geeignet, eine Geschäftsbeziehung sofort zu beenden. Die Ausdrucke aus dem bisher tadel­losen Drucker waren plötzlich verschmiert und kaum leserlich, aus den Öffnungen der Patrone drang hochgiftiger Tonerstaub.

Begonnen hatte das Ärgernis mit dem Anruf eines Verkäufers der Firma Europrinting GmbH in der Kanzlei. Der Mann überrumpelte die ahnungslose Sekretärin mit dem Hinweis auf eine aus einem früheren Kauf stammende Gutschrift und auf ein aktuelles Sonderangebot. Die Frau sagte nach Absprache mit ihrem Chef zu – und erhält nun regelmässig Anrufe von Firmen, die ihr Toner andrehen wollen.

Andere Firma, gleiches Szenario: Auch beim Operationszentrum in Burgdorf BE rief ein Verkäufer an, verwies auf eine Gutschrift und jubelte der neu angestellten Praxisassistentin mit dem Hinweis auf frühere Bestellungen ihrer Vorgängerin Toner unter. Diesmal hiess die Firma Universal Print AG. Zwei Tage nach der Lieferung schickte auch die Innova Print GmbH neue Tonerkartuschen.

Die Liste lässt sich verlängern. Die Verkäufer am Telefon haben meist Kleinfirmen im Visier und wissen immer bestens Bescheid, welches Dru­ckermodell im Einsatz ist. Beim Toner, der dann geliefert wird, handelt es sich oft um billige Nachahmerprodukte oder aufgefüllte Kartuschen.

Ein ganzes Netz von Firmen

Die Lieferungen treffen manchmal selbst ohne Bestellung bei den Kunden ein. Weigern sich diese, die Rechnung für die unverlangte Ware zu bezahlen, folgen Briefe in rüdem Tonfall: «Nach mehrmaligem Mahnen sind die unten aufgeführten Rechnungen noch immer ausstehend», heisst es. «Sollten Sie den Fehlbetrag in den nächsten 5 Tagen nicht überweisen, wären wir gezwungen, den Rechtsweg zu beschreiten. Ersparen Sie sich und uns diesen Umtrieb!» Das Erstaunliche dabei: Gleich mehrere Firmen, die rechtlich voneinander unabhängig sind und laut Handelsregistereintrag ihren Sitz an unterschiedlichen Orten haben, verwenden exakt dieselbe holprige Formulierung.

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Eine weitere Gemeinsamkeit der Toneranbieter: In praktisch allen Firmen sass bis vor kurzem Luz Simoni im Verwaltungsrat. Mit seiner Swiss Print Group AG war er schon vor drei Jahren in die Schlagzeilen geraten: Die Firma hatte Kunden mit falschen Angaben Tonerpatronen zu überrissenen Preisen angeboten, wie die «Südostschweiz» berichtete. Der «K-Tipp» wiederum beschrieb, wie die Swiss Print Group wiederaufgefüllte Kartuschen als neu verkaufte.

«Alle die gleiche Verkaufsmasche»

Das Unternehmen wurde zwar Ende Oktober 2014 vom Konkursrichter aufgelöst, aber der Handel mit Toner hat es seinen Verwaltungsräten und Geschäftsführern offensichtlich angetan. Noch während sie in der Swiss Print Group aktiv waren, gründeten sie mindestens sechs Firmen, die ebenfalls alle telefonisch Toner an Kleinunternehmen und Privatpersonen verkaufen.

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Wie eng die Zusammenarbeit jedenfalls bis vor kurzem war, belegt das gemeinsame Briefpapier, das die Firmen bis vor wenigen Monaten verwendeten – samt Telefonnummern, die auf ein gemein­sames Callcenter hinweisen. «Das sind ca 6 firmen in einem... alle die gleiche verkaufsmasche...habe genau 4 tage dort gearbeitet...nicht mal geld bekommen», schreibt denn auch jemand unter dem Pseudonym «Ex-Angestellte» in einem Internetforum, das vor unseriösen Telefonverkäufern warnt.

Auf der schwarzen Liste prominent dabei

Luz Simoni betont, dass er mit den Firmen nichts mehr zu tun habe: «Ich habe per Ende 2013 alle Beteiligungen abgestossen und bin nicht mehr operativ tätig.» Von den ausfindig gemachten Verantwortlichen des Firmengeflechts nimmt einzig Massimiliano Salerno von Printissima Stellung. Er habe seit der Übernahme der Firma im April 2014 keine geschäftlichen oder privaten Beziehungen mehr zu Simoni, erklärt er. Im Übrigen sei seine Firma «neu und offiziell von HP itself mit dem Zertifikat ‹HP Business Partner› erkoren worden!». Die Mediensprecherin von ­Hewlett Packard (HP) Schweiz verneint das aber: «Printissima ist seit Ende Juni kein Businesspartner mehr.»

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HP Schweiz führt über Firmen, zu ­denen Reklamationen eingetroffen sind, eine schwarze Liste. Dort sind die Nachfolger der Swiss Print Group prominent vertreten: Gleich fünf Firmen, die ehemaligen Verwaltungsräten oder Managern der aufgelösten Firma gehören, figurieren darauf.

Unbestellte Ware: Was tun?

Wer unbestellte Ware zugeschickt erhält, schreibt dem Absender einen eingeschriebenen Brief und setzt ihm eine Frist zur Abholung. Falls ein Geschäft aufgrund einer falschen Angabe des Verkäufers – etwa einem Hinweis auf frühere Bestellungen – zustande kommt, kann der Vertrag wegen Irrtum und Täuschung angefochten werden, ebenfalls mit eingeschriebenem Brief. Sollte der Verkäufer eine Betreibung einleiten, kann man Rechtsvorschlag erheben. Der Verkäufer müsste dann Klage bei Gericht einleiten – was für ihn mit Aufwand verbunden ist.