Wandern mit den Eltern ist für viele Kinder kein Thema: Sie finden es schlicht zu langweilig. «Aber Klettern ist total lässig», sagt der neunjährige Felix Nägeli. Der Drittklässler klettert, seit er fünf Jahre alt ist. Seine kleine Schwester Viviane, sechsjährig, hat kürzlich damit begonnen.

Gelernt haben sie es von ihrem Vater. Erich Nägeli ist seit 20 Jahren Kletterfan. Zwei Ferienwochen und mehrere Wochenenden pro Jahr verbringt er in den Bergen. «Mit den Kindern gehe ich nur auf einfache Touren.» Schliesslich sei das Klettern mit Kids kein «Club Méditerranée».

Wer mit Kindern klettern geht, sollte bestimmte Regeln beachten (siehe Nebenartikel «Klettertouren mit Kindern»), denn die Kleinen können die Gefahren oft nur schlecht einschätzen. Seit 1996 bietet der Schweizer Alpen-Club (SAC) spezielle Familienbergsteigerlager an, wo das nötige Know-how erlernt werden kann. Seit zwei Jahren können Kinder ab sechs auch SAC-Mitglieder werden; vorher lag das Eintrittsalter bei zehn Jahren.

«Klettern ist längst keine Extremsportart mehr», sagt Bruno Hasler, Fachleiter Ausbildung beim SAC, heute würden neue Gebiete oft kindergerecht eingerichtet. «Klettern ist eine gute Lebensschulung», so Hasler, «Teamgeist und Eigenverantwortung werden geübt.» So müssten die Kinder etwa beim Abseilen lernen, Verantwortung für andere zu übernehmen. Zudem würden Beweglichkeit und Koordination gefördert.

Abwechslungsreiches Gebiet

Der Bergführer Pius Fähndrich führt die Lidernenhütte oberhalb des Urnersees. Rund ein Viertel seiner Sommergäste sind Familien, die zum Klettern mit ihren Kindern kommen. Dafür eignet sich das Gebiet rund um die Hütte auf 1727 Meter über Meer bestens: Geboten werden alle Schwierigkeitsgrade vom kleinen Felsen über Platten bis zu anspruchsvollen Wänden. Der Zugang zum Klettergebiet ist einfach, und ein See und eine Höhle sorgen für Abwechslung. Direkt neben der Hütte können die Kinder ihren Bewegungsdrang in einem Klettergarten stillen. Fähndrich, der selber drei kleine Kinder hat, führt die Hütte seit elf Jahren.

Die Kleinen nicht überfordern

Der Bündner Lieni Roffler hat bereits vor sechs Jahren die Zeichen der Zeit erkannt und in Zürich die Buchhandlung «Piz Buch und Berg» eröffnet die einzige Buchhandlung der Schweiz, in der es ausschliesslich Bücher über Bergsport gibt. Roffler, der auch als Bergführer arbeitet, klettert ab und zu mit Familien. «Kinder darf man nicht überfordern», lautet sein Tipp, «sie lernen aber sehr schnell und dann heisst es: Gas geben.»

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