Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hat am Montag ihre jährliche «Ärgerliste» publiziert. Wie im Vorjahr drehten sich die mit Abstand meisten Beratungen um das Thema «Werbeanrufe». Trotz Sterneintrag im Telefonbuch rufen Call-Center nach wie vor viele Konsumenten unerlaubt an. Im Prinzip kann jeder, der trotz Sterneintrag einen solchen Anruf erhält, die entsprechende Firma wegen Verstosses gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb anzeigen.

Ständerat debattiert über Werbeverbot

Immer häufiger werden ausserdem Werbeanrufe auf Mobiltelefone. Dies, obwohl Handynummern in keinem öffentlichen Verzeichnis abgelegt sind. Dagegen formiert sich nun politischer Widerstand: Der Ständerat behandelt am Donnerstag, 17. Dezember 2015, eine Motion von SP-Ständerätin Anita Fetz, die den Titel «Stopp dem Telefonterror – Allgemeines Verbot von Werbeanrufen auf Mobiltelefone» trägt. Ausnahmen sollen nur zulässig sein für Handybesitzer, die sich bewusst für Werbeanrufe entscheiden.

Der Bundesrat hat die Motion in einer ersten Stellungnahme zurückgewiesen mit der Begründung, eine Revision der entsprechenden Gesetze sei ohnehin im Gang. Dabei werde auch auf diese Problematik Rücksicht genommen.

Auch der «Swiss Pass» nervt viele

Den zweiten Platz auf der SKS-Ärgerliste belegen ungerechtfertigte Inkasso-Forderungen. Dabei handelt es sich beispielsweise um den sogenannten «Verzugsschaden», den Inkassobüros geltend machen. Auf Rang drei folgen abgelehnte Garantieforderungen. Das betrifft häufig kaputte Handys oder Kameras, bei denen Hersteller den Kunden die Garantie wegen angeblichen «Selbstverschuldens» nicht gewähren wollen.

Auch die «Hochpreisinsel Schweiz» sowie der neue «Swiss Pass» der SBB sorgten für zahlreiche Beschwerden. Insgesamt hat der Konsumentenschutz im ablaufenden Jahr 7466 Beratungen vorgenommen – das sind 24 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Rangliste

  1. Werbeanrufe (2692 Beschwerden / 36%)

    Fallbeispiel: Ausländische Callcenter haben einen Trick entdeckt: Sie rufen von Schweizer Nummern aus an – und aufs Handy statt aufs Festnetz.
    Werbeanrufe: Eine üble Nummer

  2. Unerlaubte Inkasso-Forderungen (1071 Beschwerden / 14%)

    Fallbeispiel: Einschüchterungen, Drohungen, unberechtigte Geldforderungen – Inkassobüros greifen mitunter zu fragwürdigen Methoden, wenn sie ihre Mahnbriefe verschicken.
    Inkassobüros: Die furchterregenden Methoden der Geldeintreiber

  3. Garantieforderungen (713 Beschwerden / 10%)

    Fallbeispiel: Zwei Jahre Garantie beim Kauf – das gilt seit Anfang 2013. Doch was passiert, wenn etwas defekt ist? Gibts ein Ersatzgerät? Muss man auf eine Reparatur warten?
    Garantie: Mit beschränkter Haftung

  4. Hochpreisinsel Schweiz (498 Beschwerden / 7%)

    Fallbeispiel: Online-Shops verlangen oft überhöhte Euro-Wechselkurse. Mit einer Lieferadresse jenseits der Grenze lässt sich das ganz legal umgehen – und je nachdem viel Geld sparen.
    Online-Shopping: Der Trick mit der deutschen Adresse

  5. Transportwesen (406 Beschwerden / 5%)

    Fallbeispiel:
    Die Einführung des Swiss Pass steht unter keinem guten Stern. Die Lancierung der neuen roten Abokarte bereitet den SBB viele Probleme.
    SBB: Neuer Ärger mit dem «Swiss Pass»

  6. Geldinstitute (239 Beschwerden / 3%)

    Fallbeispiel: Nutzer der Coop-Supercardplus-Kreditkarte müssen neuerdings sogar dafür bezahlen, wenn sie sich die Rechnungen elektronisch in ihr E-Banking-System schicken lassen.
    Coop-Kreditkarte: Für Online-Rechnungen bezahlen

Die komplette «Ärgerliste 2015» der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) mit weiteren Fallbeispielen können Sie hier herunterladen.

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