Auch unter Betrügern gibt es Romantiker. Etwa die Lügenbeutel der Kanzlei Miller & Spencer, einer «vereidigten Treuhandgesellschaft zur Auszahlung von Erbschaften und Dividenden», wie es im Briefkopf heisst.

Miller & Spencer bringen uns zum Träumen. Sie überbringen – mittels Massenversand – eine «äusserst wichtige Nachricht, die Ihr Leben verändert». Ihr Klient, ein «Computer-Tüftler mit Leib und Seele», habe ein «sagenhaftes» Vermögen in der Computerbranche gemacht. Nun sei er tot – und habe keine Nachkommen. So ein Pech. Die ­gute Nachricht: Zu Lebzeiten habe der kluge Krösus ein Programm entwickelt, das Menschen auswählt, «mit denen es das Schicksal bisher nicht so gut gemeint hat». Unter ihnen soll sein Geld verteilt werden. Nun ist Jubel angebracht, denn: Der Empfänger des Briefs gehört dazu. Er soll 34'000 Franken erhalten.

Die 70 Franken ist man los

Die Details folgen am Brief­ende. Der Empfänger muss unterschreiben und den Wisch zurückschicken – und erhält für eine «Bearbeitungsgebühr von 70 Franken» die «7 goldenen Regeln für ein glückliches und erfolgreiches Leben in unerschöpflichem Reichtum». Toll.

Jedem das Seine also – und Miller & Spencer das meiste: Kostet ein Brief samt Porto einen Franken, geht die Rechnung für die Kanzlei auf, sobald mindestens jeder 70. Empfänger die «Bearbeitungsgebühr» bezahlt.

Auf weitere Korrespondenz scheint man bei Miller & Spencer keinen grossen Wert zu legen. Eine Anfrage des Beobachters blieb jedenfalls unbeantwortet.