Air Berlin Last-Minute-Umbuchungen verärgern Reisende

Mehrere Beobachter-Abonnenten waren in letzter Zeit von kurzfristigen Umbuchungen der Airline betroffen. Bild: Getty Images

Das Programm steht, das Hotel ist reserviert, der Flug gebucht. Dann das: Air Berlin bucht immer wieder Kunden auf andere Flüge um. Was können Betroffene tun?

von Katharina Siegristaktualisiert am 2017 M05 19

Zusammen mit sechs Freundinnen plante die Beobachter-Abonnentin Andrea Kaiser* einen Woche Ferien in Sardinien. Doch zehn Tage vor Abflug meldete sich Air Berlin mit einer Flugplanänderung: Sowohl der Hin- als auch der Rückflug wurden vom Morgen auf den Nachmittag geschoben. Dies warf die Planung zwar durcheinander, verkürzte aber zumindest nicht die Gesamtferiendauer. So weit, so gut – bis sich die Fluggesellschaft drei Tage vor Abflug erneut meldete. Der Rückflug wurde nun doch wieder auf den Morgen gelegt; anstelle von 18.25 Uhr sollte die Maschine um 8.40 Uhr starten. Dadurch verlor die Reisegruppe einen vollen Tag. Ähnlich erging es in den vergangenen Wochen mehreren Beobachter-Abonennten. Dem Konsumenten-Magazin «Espresso» liegt ein Fall vor, in welchem eine Familie statt per Direktflug via Bonn nach Fuerteventura fliegen musste. Das, obwohl sie sich extra für den teureren Flug entschieden hatten, um nicht so viel Zeit zu verlieren. Die Airline begründet die Umbuchungen mit Änderungen im Streckennetz und bedauert die Unannehmlichkeiten.

Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Ich habe auf der Website von Air Berlin einen Hin- und Rückflug gebucht. Nun schreibt mir die Airline drei Wochen vor meinen Ferien, dass der Hinflug fünf Stunden später durchgeführt wird. Muss ich das akzeptieren? Welche Möglichkeiten bleiben mir?
Sie können entweder ganz auf den Hinflug verzichten oder die Umbuchung zähneknirschend akzeptieren. Im ersten Fall muss Ihnen Air Berlin die bereits gezahlten Ticketkosten innert sieben Tage zurückerstatten. Im zweiten Fall haben Sie keine weitergehenden Ansprüche, da man Ihnen die Umbuchung mehr als 14 Tage vor Abflug mitgeteilt hat. So sieht es die EU-Verordnung Nr. 261/2004 vor, die auch in der Schweiz gültig ist.


Das Reisebüro teilt mir vier Tage vor meiner Geschäftsreise mit, dass mein Flug mit Air Berlin vom Vormittag auf den Abend vorverschoben wurde. Ich habe tagsüber aber eine wichtige Sitzung. Kann ich die ganze Reise abblasen und erhalte die Kosten zurück?
Ja. Bei einer Umbuchung können Sie ganz auf den Flug verzichten und Ihre Ticketkosten zurückverlangen. Da Ihnen Air Berlin die Umbuchung weniger als 14 Tage vor Abflug mitgeteilt und auch keinen Ersatzflug innerhalb der ursprünglichen Flugzeit angeboten hat, haben Sie zusätzlich Anspruch auf eine Entschädigung gemäss EU-Fluggastverordnung. Deren Höhe richtet sich nach Entfernung und beträgt – je nachdem – 250, 400 oder 600 Euro. Wenden Sie sich dafür direkt an Air Berlin. Machen Sie sich aber auf eine mühsame Auseinandersetzung gefasst. Erfahrungsgemäss ignoriert Air Berlin derartige Forderungen oft hartnäckig. Wollen Sie sich den Ärger ersparen, können Sie sich auch an eine spezialisierte Inkassofirma wenden, die die Forderung bei Air Berlin gegen Provision für Sie eintreibt – beispielsweise an die Flightright GmbH in Berlin.   


Wir haben über eine Reederei eine Mittelmeer-Kreuzfahrt inklusive Hin- und Retourflug mit Air Berlin gebucht. Am Ankunftstag hätten wir noch eine Stadtrundfahrt geplant, die nun aber wegen einer Flugumbuchung ins Wasser fällt. Erhalten wir eine Entschädigung und falls ja, an wen können wir uns wenden?
Sie haben Glück im Unglück und müssen sich nicht mit Air Berlin herumschlagen. Ihr Ansprechpartner ist nämlich die Reederei. Bei dieser haben Sie eine Pauschalreise (Flug und Unterkunft) gebucht und diese muss sich auch das Verhalten von Air Berlin zurechnen lassen. Können Sie wegen der verspäteten Anreise an einem Programmpunkt nicht teilnehmen, ist die Pauschalreise mangelhaft. In diesem Fall können Sie von der Reederei eine Preisreduktion verlangen.

Da unser Flug um drei Stunden nach hinten verschoben wurde, haben wir unseren Anschlussflug knapp verpasst. Die Ticketkosten für einen neuen Flug mit einer anderen Fluggesellschaft haben wir am Flughafenschalter bezahlt. Muss uns nicht Air Berlin die Kosten zurückerstatten? 
Doch. Air Berlin haftet nämlich für den Verspätungsschaden. Also diejenigen Kosten, die Ihnen durch die Umbuchung beziehungsweise verspätete Ankunft entstanden sind. So sieht es das Montrealer Übereinkommen vor, das auch in der Schweiz anwendbar ist. Stranden Sie auf einem Umsteigeflughafen, haben Sie übrigens auch das Recht, dass Ihnen Air Berlin die Kosten für die bereits zurückgelegte Strecke erstattet und Sie kostenlos an die Ausgangsdestination zurückbefördert.


Wir haben einen Rückflug am Abend, der nun aber auf den nächsten Morgen verschoben wurde. Eigentlich müsste ich dann arbeiten. Muss ich die verpasste Arbeitszeit nachholen?
Ja, denn Ihrem Arbeitgeber kann es grundsätzlich egal sein, ob Air Berlin den Flug zu einem späteren Zeitpunkt durchführt. Sie bleiben weiterhin zur Arbeitsleistung verpflichtet. Zumindest für die Hotelübernachtung muss Air Berlin aber aufkommen.

Anspruch auf Entschädigung

Wenn Air Berlin einen Flug umbucht, haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung gemäss EU-Fluggastverordnung, wenn:

  • die Umbuchung weniger als 14 Tage vor Abflug mitgeteilt wurde und
  • ein angebotener Ersatzflug nicht im Rahmen der ursprünglichen Flugzeit liegt und
  • die Umbuchung nicht auf aussergewöhnliche Umstände zurückgeht, auf die Air Berlin keinen Einfluss hatte (Beispiel: schlechtes Wetter, höhere Gewalt, in der Regel aber nicht technische Probleme)

Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach der Entfernung zum Zielort. Sie beträgt

  • 250 Euro bei Strecken bis 1‘500 Kilometer
  • 400 Euro bei Strecken bis 3‘500 Kilometer
  • 600 Euro bei Strecken über 3‘500 Kilometer

*Name geändert