Der Trick sorgte bereits in den neunziger Jahren für Schlagzeilen – doch er scheint noch immer zu funktionieren. Nur so ist zu erklären, was Jaro Mirkovic* im April während der Ferien auf Gran Canaria widerfuhr. Ein netter Mann habe ihn am Strand angesprochen, auf Serbisch, seiner Mutter­sprache, erinnert sich der Zürcher. «Er fragte, ob wir am nächsten Tag eine neue Hotelanlage besichtigen wollten. Ich dachte: Warum nicht?»

So beginnen sie immer, die Schilderungen zum Geschäftsmodell der Anfi-Hotelgruppe. Und sie gehen stets gleich weiter: Im Gratistaxi werden die Urlauber quer über die Insel gekarrt, stundenlang in ihrer Muttersprache bequatscht und durch eine imposante, nahezu menschenleere Hotel­anlage geführt. Schliesslich landen sie in ­einem Saal, zusammen mit Dutzenden anderer Touristen. Anfi-Angestellte halten ihnen fixfertige Verträge ­unter die Nase – sie sollen Nutzungsrechte für Ferienwohnungen kaufen.

5000 Franken für zwei Wochen

Jaro Mirkovic und seine Frau hätten jährlich 5000 Franken bezahlen sollen, um jeweils zwei Wochen lang ein Appartement bewohnen zu können. Bedenkzeit: keine. Anzahlung: sofort.

Das Problem bei solchen Time­sharing-Angeboten: Das Nutzungsrecht am Appartement lässt sich kaum je wahrnehmen, weil Anfi stets behauptet, es sei gerade belegt.

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Mirkovic kam die ganze Vorführung suspekt vor. «Ich verlangte resolut, dass wir sofort aus der Anlage geführt würden», sagt er.

Ein solcher Rückzug gelingt längst nicht allen: Laut der Deutschen und Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz, die sich mit Timesharing-Angeboten befasst, sind Anfi-Verkäufer in aggressiver Gesprächsführung geschult; viele Touristen unterschrieben, um die unangenehme Gesprächssituation zu beenden. Die Schutzgemeinschaft warnt: Aus dem Vertrag kann man zwar meist wieder aussteigen – die Anzahlung ist aber verloren.

*Name geändert