Es sei der Hausbock, sagen die beiden Vertreter der Firma Asasan, als sie bei Vanessa Fuchs (Name geändert) in Malters LU vor der Tür stehen. Der Holzschädling habe sich in der Region stark verbreitet. Er niste sich am liebsten in Dachstöcken ein und fresse sich bei grösserem Befall durch sämtliche Holzbestände. Daher bestehe die Möglichkeit, dass gewisse Dächer in der Gemeinde einstürzen könnten. Sie, als Mitarbeiter der Asasan AG, führten nun Kontrollen in den Dachstöcken der Gemeinde durch - unverbindlich und kostenlos.

«Ich fühlte mich etwas überrumpelt», erzählt Hengemühl. «Doch es war vor allem die Sorge um mein Hausdach, wegen der ich die Männer einliess. Wir haben das Haus erst vor einem Jahr gekauft.» Kaum durch die Tür geschritten, macht sich der eine, der sich als Experte bezeichnet, auf den Weg zum Dachboden. Der andere packt bereits den Werkvertrag aus. Einige Augenblicke später kehrt der «Experte» zurück und stellt einen leichten Befall fest. Um diesen zu bekämpfen, seien Vollschutzarbeiten für rund 6600 Franken nötig. «Ich fand den Preis völlig überrissen und weigerte mich, den vorgelegten Vertrag zu unterschreiben», so die Luzernerin. Die Männer schlagen schnell einen neuen Deal vor - 2570 Franken für einen vorbeugenden Stoppschutz. Fuchs unterschreibt.

Drei Tage später treffen zwei Handwerker der Firma Asasan ein und beginnen im Dachstuhl 80 Löcher zu bohren. In diese stecken sie anschliessend Düsen, die mit Insektiziden versehen sind. Als Vanessa Fuchs den Männern Kaffee serviert, plaudert einer der beiden aus, dass eigentlich überhaupt kein Befall besteht. «Ich konnte kaum fassen, was ich da gehört habe. Umgehend informierte ich die Polizei», sagt die 43-Jährige.

Der unabhängige Experte fand nichts
Die Kantonspolizei Luzern schickt am folgenden Tag einen unabhängigen Experten vorbei. Sein Befund: Der Dachboden ist sauber und völlig frei von Hausböcken. Weitere Informationen zum Vorgehen will die Polizei wegen laufender Ermittlungen nicht preisgeben.

Vanessa Fuchs ist nicht das einzige Opfer. Margrit Wyss wohnt in derselben Gemeinde; sie unterschrieb einen Vertrag der Asasan AG für Dachstockarbeiten über 2250 Franken. «Diese Herren haben regelrecht Panik verbreitet», betont Wyss. Auch in die Falle getappt ist Ernst Reichel, der ebenfalls in Malters lebt: «Diese Leute verkaufen sehr aggressiv. Sie geben einem das Gefühl, ein schreckliches Unglück stehe bevor - und sie seien die Einzigen, die es abwenden können.»

Dezidiert anderer Meinung ist da Rolf Doppmann, der Geschäftsführer der Asasan AG: «Wir zwingen niemanden, den Vertrag zu unterschreiben. Jeder darf frei wählen, ob er eine Sanierung durchführen lassen will oder nicht. Ausserdem vertrauen wir auf die langjährige Erfahrung unseres Experten.»

Anton Hasenböhler, Vorstandsmitglied beim Verband Schweizerischer Schädlingsbekämpfer, ruft bei solchen Verkaufsstrategien generell zur Vorsicht auf: «Das Wichtigste ist, immer eine zweite Meinung einzuholen», rät er. «Ausserdem ist eine seriöse Firma Mitglied in einem Fachverband. Ist sie es nicht, ist Vorsicht geboten.»

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