Frau X hat kein Geld für die Brustvergrösserung, Herrn Y fehlen im Moment die finanziellen Mittel für die optimale Zahnsanierung? Kein Problem: Die Credit Suisse hilft mit einem Kleinkredit aus, im Notfall innerhalb von 24 Stunden – den Antrag dafür können die Patienten gleich in der Arztpraxis ausfüllen.

Seit Anfang Juni wirbt die MediAccess AG bei Zahnärzten und Schönheitschirurgen für das neue Angebot der Credit Suisse. Die Vermittlerfirma will, dass Mediziner ihre Patienten auf die «bequemen und günstigen Ratenzahlungen» aufmerksam machen. Kreditwilligen sollten sie mit Rabatten entgegenkommen – für die Kooperation. Denn das mühsame Eintreiben der Raten werde den Ärzten von der Bank abgenommen. Dafür bezahlt der Patient einen Zins von 11,9 Prozent.

Medizinische Behandlungen in Raten abstottern? Für Christian Hort, Facharzt für plastische Chirurgie, kommt das nicht in Frage: «Sparen oder vergessen» ist seine Devise bei Operationen, die nicht zwingend nötig sind und die Krankenkassen deshalb nicht bezahlen. Jetzt geschehe in der Medizin das Gleiche wie beim Autoleasing: Der Arzt ziehe den Patienten den Speck durch den Mund und winke gleich noch mit dem Kleinkredit. «Das ist schlicht mies; wer kann da noch der Versuchung widerstehen, sich zu verschulden?»

Dazu Medi-Access-Sprecher Thomas Kis: «Die gesetzlich vorgeschriebene Kreditfähigkeitsprüfung stellt einen gewissen Schutz des Patienten sicher.» Ein Missbrauch durch «schwarze Schafe» könne natürlich nie ganz ausgeschlossen werden. «Jeder Arzt wird angewiesen, die Situation des Patienten verantwortungsbewusst abzuschätzen.»

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