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DatenschutzValora überwacht Passanten am HB

Welche Geschäfte besuchen Konsumenten in welcher Reihenfolge? Das Kioskunternehmen Valora überwacht Passanten am Zürcher Hauptbahnhof über WLAN – ohne deren Wissen. Dürfen die das?

Valora will herausfinden, wohin Kunden nach einem Kauf beim Kiosk gehen.

aktualisiert am 20. Dezember 2016

Das Sandwich vom «Brezelkönig», ein Kaffee bei «Spettacolo», im Anschluss eine Packung Zigaretten vom Kiosk – bald kennen nicht nur Sie selbst Ihre morgendliche Routine, sondern auch das Kioskunternehmen Valora. Dieses will das Kaufverhalten von Passanten anhand von WLAN-Daten studieren, welche über Sensoren an den Geschäften gemessen werden. In der Folge können gezielte Marketingaktionen geplant werden: Woher kommen die Konsumenten, wenn sie bei einem Valora-Geschäft einkaufen und wohin gehen Sie danach?

Ploppt beim Kauf einer Brezel vielleicht bald ein Kaffee-Bon auf dem Handy auf?

Auch Manor trackte Kunden

Valora ist nicht das erste Unternehmen, das Marketingaktionen mithilfe von Handydaten plant. Auch der Detailhändler Manor geriet im vergangenen Sommer in die Schlagzeilen, als er in einem Basler Kaufhaus die Bewegungsströme der Kunden in der «Food»-Abteilung mass. Ein Schild machte Kunden auf die «anonyme statistische Studie der Besucherströme» aufmerksam – wer nicht teilnehmen wollte, wurde darauf hingewiesen, die WLAN- und Bluetooth-Funktion am Handy zu deaktivieren.

«Die Messungen gaben Aufschluss darüber, wie sich die Kunden generell im Markt bewegen. Diese Erkenntnisse flossen in die Neugestaltung ein, indem diverse Sortimente umplatziert wurden», erklärt Mediensprecherin Elle Steinbrecher. Zur Zeit seien keine weiteren Projekte geplant.

Anbieter aus dem Ausland gehen sogar noch einen Schritt weiter, wie der Tages-Anzeiger berichtete: In Grossbritannien unterscheiden Gesichtserkennungssoftwares zwischen weiblichen und männlichen Konsumenten, in Amerika werden wiederkehrende Käufer erkannt.

Dürfen die das?

Durch das Tracking will Valora mehr über die Zusammensetzung ihrer Kunden sowie die Besuchsfrequenz erfahren. Wer nicht getrackt werden will, kann sich nur schützen, indem er die WLAN-Verbindung ausschaltet. «Eine Verknüpfung mit konkreten Smartphones, Personen oder auch ihren Einkäufen ist uns aber nicht möglich», verspricht Valora auf Anfrage des Beobachters. Über die installierten Sensoren würden lediglich Daten gesammelt, welche vor der Weitergabe verschlüsselt werden. Auch eine Kontaktaufnahme sei so nicht möglich – personalisierte Bons werden also vorerst noch ausbleiben.

«Solange die Konsumenten anonym bleiben und keine Profile einzelner Personen erstellt werden, kann man Valora aus Datenschutz-Sicht nichts vorwerfen», sagt Michael Krampf, Experte Fachbereich Konsum im Beobachter-Beratungszentrum. Für die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen und das Senden personalisierter Werbung brauche es hingegen eine explizite Einwilligung der Betroffenen.

«Eine Grenze wird erst überschritten, wenn das Personentracking zu einer systematischen Überwachung von Einzelpersonen führt, ohne dass diese darin eingewilligt haben», ergänzt Silvia Böhlen Chiofalo, Spezialistin Kommunikation beim Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten.

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Text: Jasmine Helbling
Bild: Valora Group, Flickr, CC BY-NC-SA 2.0