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Enkeltrick«Schade, dass der Dieb nicht aufgetaucht ist»

Hulda G.* ist 88 Jahre alt und lebt allein. Fast wäre es ihr gelungen, einen Enkeltrick-Betrüger zu fassen.

Furchtlos: Hulda G.* verabredete sich mit dem Räuber – und informierte die Polizei.
von aktualisiert am 25. Oktober 2018

Aufgezeichnet von Susanne Loacker:

Ich fragte: «Wer ist da?» Die Stimme am anderen Ende antwortete auf Hochdeutsch: «Ja, erkennst du mich denn nicht?» Ich bin seit vielen Jahren blind. Je weniger ich mich auf meine Augen verlassen kann, desto mehr haben die Ohren übernommen. Ich erkenne Stimmen, die ich schon einmal gehört habe, praktisch immer.

Aber diese Stimme hatte ich noch nie gehört. Und ich wusste sofort, was los war. Doch ob es ein Mann oder eine Frau war, konnte ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich bluffte: «Doch, natürlich, der Peter aus Schwerin!»

Natürlich kenne ich keinen Peter aus Schwerin. Aber ich merke sehr schnell, wenn mich jemand über den Tisch ziehen will. Ich hatte schon einmal Anrufe von solchen Betrügern Diebe und Betrüger Halten Sie Ihr Geld fest! . Ich weiss, dass sie alte Vornamen auswählen. Hulda ist so einer. Ich bin blind, aber blöd bin ich nicht. Ich fasste einen Plan.
 

«Ich habe mich köstlich amüsiert, das war ein wirklich unterhaltsamer Nachmittag.»

Hulda G.*, Rentnerin


«Wo bist du denn jetzt gerade?», fragte ich. Er sei in Basel, sagte mein angeblicher entfernter Verwandter aus dem hohen Norden. Und er habe ein Problem. Er sei gerade beim Notar und brauche dringend Geld. Ob ich Geld zu Hause hätte? Seine Stimme klang weinerlich.

So locker wie möglich antwortete ich: So zehn-, fünfzehntausend müssten schon im Haus sein. Ob ich denn Schmuck habe, Gold, Perlen, Edelsteine? Nein, sagte ich. Aber ob ich denn bei der Bank mehr Geld holen könnte? Ja, das ginge schon, log ich – obwohl ich natürlich nicht allein zur Bank gehen und auch nicht einfach so eine grosse Summe abheben kann.

Telefonleitung blockiert

Ob ich jetzt gleich gehen könne, wollte die Stimme wissen. Meine Gedanken rasten – ich wusste, ich musste Zeit gewinnen. Ich wollte den Kerl unbedingt schnappen. Beim letzten Mal war der Anrufer nicht aufgetaucht. Das war schade, denn damals hatte ich schon die Polizei im Haus.

Als das Gespräch beendet war, versuchte ich, die Polizei anzurufen. Doch die Leitung war besetzt. Auch den Trick kannte ich schon: Der Betrüger hatte nicht aufgehängt, damit ich niemanden anrufen konnte. Also informierte ich die Polizei via Handy. Mein Plan war: Sobald ein Polizist bei mir ist, will ich «Peter» sagen, das Geld sei jetzt hier. Der Polizist war denn auch schnell zur Stelle.

Schon bald klingelte das Telefon wieder, und «Peter» wollte wissen, ob das Geld da sei und ob ich allein zu Hause sei. Ich fragte ihn, ob er denn selber komme – der letzte Betrüger hatte einen Mittelsmann schicken wollen. Natürlich, sagte «Peter», er sei schon in der Nähe. Ich freute mich diebisch: einen Betrüger hereinlegen!

(nach dem Video weiterlesen)

Strafanzeige erstatten - 3 Tipps

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Besorgte Tochter

Da kam meine Tochter heim. Als ich ihr sagte, weshalb ein Polizist am Küchentisch sass, wurde sie wütend: Was mir einfalle, da glaube nun jemand, ich hätte so viel Geld zu Hause, und sie und ihr Mann gingen morgen in die Ferien! Da erst fiel mir ein, dass ich ja Angst haben könnte. Aber ehrlich, Angst hatte ich keine Sekunde lang. Im Gegenteil, ich habe mich köstlich amüsiert, das war ein wirklich unterhaltsamer Nachmittag.

Leider schlug sich der Polizist auf die Seite meiner Tochter. Wenn ich seine Mutter wäre, sagte er, würde er mir diese Aktion auch verbieten. Also musste ich wohl oder übel zulassen, dass meine Tochter den nächsten Anruf entgegennahm. «Sie sind doch ein Betrüger und ausserdem eine Frau!», hörte ich sie rufen.

Offenbar reagierte «Peter» geistesgegenwärtig: Ja, sie sei Frau Sowieso von der Kantonalbank. Sie habe sich erkundigen wollen, ob die Mutter gut heimgekommen sei von der Bank, sie habe ja einen rechten Betrag abgehoben. Meine Tochter liess sich nichts vormachen: Es sei kein Geld im Haus, und wer immer er oder sie sei, er solle nie wieder anrufen.

Meine Tochter und ihr Mann sind beruhigt in die Ferien gefahren. Mich reut die ganze Sache noch immer ein bisschen. Aber wer weiss, vielleicht klappt es beim nächsten Mal.

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