Tausende Schweizer Haushalte erhielten in den letzten Wochen Post von der IS Inkasso Service GmbH aus Rheineck SG: Sie hätten die Rechnung einer R4K AG oder einer ToYou AG über 35 Franken nicht bezahlt. Samt Verzugszinsen und Inkassospesen seien nun Fr. 78.45 fällig. Die Kunden hätten DVDs, CDs oder Märchenbücher bestellt und erhalten, sagt Thomas Eicher, einziger Verwaltungsrat der beiden Firmen in Glattbrugg ZH.

Ganz anders klingt es bei mindestens 19 Betroffenen, die sich beim Beobachter beraten liessen. Sie versichern, sie hätten zwar einen Anruf «von einem Kinderhilfswerk» erhalten. «Ich kann mich aber ganz genau erinnern: Ich sagte, dass ich nicht spenden will», erzählt zum Beispiel Hedwig Rack aus Embrach ZH.

Danach hörte sie nichts mehr - bis zur Zahlungsaufforderung. Andere erhielten ein Kartenset samt Rechnung über 35 Franken und dem Dank für die zugesicherte Spende, obwohl sie nur Informationsmaterial wollten. Eicher bestreitet das: «Keine der Firmen sammelt in irgendeiner Form Spenden.»

Von wegen: Die Spur führt zum Freiburger Verein «La Cité du Petit Prince», der bis Juni die ToYou AG mit Spendensammeln beauftragt hatte. Er ist jedoch kein Kinderhilfswerk, sondern will nur für das Problem der Kindsmisshandlung sensibilisieren. Seit der Gründung vor fünf Jahren kann der Verein weder Jahresberichte noch Rechnungen vorlegen. Auch den Rechenschaftsbericht, den Präsidentin Katia Sossella für August in Aussicht stellte, gibt es nicht.

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